Kampf gegen die Reinigungs-Stoppuhr

Gebäudereiniger haben es ohnehin oft schon schwer. Viele haben 450-Euro-Jobs und brauchen zusätzlich Hartz IV, um über die Runden zu kommen. Immer öfter ist ihre Arbeit ein einziger "Kampf gegen die Stoppuhr" - so kritisiert es die Gewerkschaft IG BAU.

Putzzeiten schrittweise verkürzt

Radio Hochstift-Redakteur Thorsten Heggen hat mit zwei betroffenen Reinigungskräften aus Paderborn gesprochen, die anonym bleiben wollen. Beide putzen seit elf Jahren in einem Schulgebäude in Paderborn. In dieser Zeit sind die Aufträge dafür vier mal an neue Firmen vergeben worden. Die haben die Putzzeit schrittweise verkürzt. Diese Entwicklung betrifft laut der IG BAU die gesamte Branche.

Oft passiert das, wenn Lohnerhöhungen fällig sind - die Betroffenen nennen es "Turboputzen". Unsere beiden Insider haben dadurch mittlerweile für ein und dieselbe Fläche, die sie sauber machen müssen, knapp 25 Prozent weniger Zeit als vor elf Jahren. 

Turboputzen oder Hochleistungssport

Radio Hochstift ist ein Angebot eines Reinigungsunternehmens zugespielt worden, bei dem es ums Saubermachen eines Klassenzimmers geht. Unter anderem wird dabei folgender Arbeitsschritt angeboten:

28 Stühle auf die Tische stellen und wieder runter in gerade einmal einer Minute und 50 Sekunden. Für die Reinigung der Stühle, also einmal mit dem Tuch über die Lehne und die Sitzfläche - pro Stuhl sechs Sekunden. 

Die IG Bau fordert, dass die Arbeitgeber einheitliche Arbeitsbedingungen einführen, und dass diese auch kontrolliert werden.

Auf Radio Hochstift-Anfrage zum Beispiel bei der Stadt Paderborn oder der Stadt Warburg hieß es, man achte darauf, dass die Putzzeiten realistisch sind. Eine Kontrolle sei schwierig, teilweise werden aber Nachweislisten geführt. 

Radio Hochstift hat den Selbsttest in einem Klassenzimmer gemacht

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Behörden entziehen sich der Verantwortung?

Die Stadt Paderborn hat eingeräumt, dass es Beschwerden von Gebäudereinigern gab, weil sie ihre Arbeit in der vorgegebenen Zeit nicht schaffen. Da sei aber nachjustiert worden. In Warburg hieß es: Man habe keine Verdachtsmomente, dass die Firmen bei den Putzzeiten tricksen, könne aber auch nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass das nicht so ist. Und der Kreis Paderborn sagt: Wir haben da keinen Einfluss. Da müsse die Gewerkschaft Druck machen.

Genug schwarze Scharfe

Hans-Dieter Kottmeyer, Innungsmeister der Gebäudereiniger in OWL, ist da ganz offen. Der Preiskampf und das Kürzen von Putzzeiten sei in der Branche seit Jahren ein leidiges Thema. Aus seiner Sicht gibt es genug schwarze Schafe, die mehr auf den Preis als auf Qualität setzen. Und er sieht die Politik in der Pflicht, das zu ändern. Entweder, indem die 450-Euro-Job-Grenze angehoben wird. Oder indem man sie komplett abschafft und jede Putzstunde sozialversicherungspflichtig bezahlt wird.

25 % weniger Zeit für Gebäude

In jedem Job steigen die Anforderungen - nennt man so schön Arbeitsverdichtung. Also wir sollen immer mehr in immer weniger Zeit schaffen. Die Gebäudereinigungskräfte müssen sich drauf einstellen. Wir haben mit zwei Insidern gesprochen.

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"Arbeitgeber wollen Profit machen"

Gianpaolo Mosca, Gewerkschaft IG BAU zu dem Thema

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"Das ist doch nicht zu schaffen"

Wir haben euch auch zum Turboputzen befragt - die meisten konnten die zeitlichen Vorgaben nicht nachvollziehen.

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