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Susanne Stork
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Missbrauch auf dem Campingplatz Lügde
Tatort Campingplatz

Kindesmissbrauch in Lügde

Eingang vom Campingplatz Eichwald
Eingang vom Campingplatz Eichwald

Kindesmissbrauch in tausend Fällen, Unmengen an kinderpornografischen Daten. In dem Fall aus Lügde im Kreis Lippe ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen insgesamt fünf Männer, davon sitzen drei in U-Haft. Zwei von ihnen sollen sich Jahre lang auf einem Campingplatz an mindestens 34 Kindern vergangen haben. Ein weiterer soll Kinderpornos mit den Opfern in Auftrag gegeben haben. Die Hauptverdächtigen sind ein 56-Jähriger als Lügde und ein 33-jähriger Steinheimer. Inzwischen sind auch Jugendämter und die Polizei ins Visier der Ermittler geraten. Sie sollen Hinweise auf den Missbrauch nicht ernst genug genommen haben.

Die Infos in Kürze:

  • bisher wissen die Beamten von 34 Opfern
  • bei 14 weiteren Personen besteht der Verdacht des sexuellen Missbrauchs
  • ein 56-Jähriger aus Lügde und ein 33-jähriger Steinheimer sind hauptverdächtig
  • mittlerweile laufen Ermittlungen gegen fünf Männer, drei sitzen in Untersuchungshaft
  • Staatsanwaltschaft und Polizei haben die 60-köpfige Ermittlungskommission "Eichwald" gebildert
  • mehr als 1000 Einzeltaten im Zeitraum von 2008 bis Dezember 2018
  • über 400 CDs und DVDs sichergestellt
  • Datenvolumen zur Auswertung: 14 Terabyte
  • bisher 13.000 gesicherte kinderpornografische Dateien, auch Bildmaterial der Opfer
  • mögliche Tatorte: Parzellen der mutmaßlichen Haupttäter auf dem Campingplatz in Lügde-Elbrinxen und Wohnung eines Täters in Lügde
  • die Opfer waren zum Tatzeitpunkt vier bis 13 Jahre alt
  • auch gegen Jugendämter und Polizei wird ermittelt, unter anderem weil Beweismaterial verschwunden ist
  • Ermittlungen kamen durch Hinweise eines mutmaßlichen Opfers ins Rollen

Auf einem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe waren Kinder für Pornodrehs missbraucht worden. Drei Tatverdächtige sitzen in Untersuchungshaft, gegen vier weitere wird aktuell ermittelt. Inzwischen arbeiten 60 Beamte an dem Fall. Die Beamten der Ermittlungskommission "Eichwald" gehen von weiteren möglichen Tätern aus. Zumindest sei es eher unwahrscheinlich, dass das Material nicht noch an weitere Personen weitergegeben wurde, erläuterten die Ermittler. Einer der zwei Hauptverdächtigen, ein 56-Jähriger aus Lügde, war Anfang Dezember festgenommen worden, zwei weitere Männer, darunter ein 33-jähriger Steinheimer, wurden am 10. und 11. Januar dingfest gemacht. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern schweren sexuellen Missbrauch von Kindern vor.

Die beiden Hauptverdächtigen sollen auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde-Elbrinxen die Kinder gefilmt und missbraucht haben. Der dritte Mann kommt aus Stade in Niedersachsen und soll als Auftraggeber aufgetreten sein. Der 46-Jährige war wohl selbst nie vor Ort in Lügde.

Mehr als 1.000 Fälle

Seit 2008 waren den bisherigen Erkenntnissen zufolge mindestens 34 Kinder zu Opfern geworden. Darüber hinaus besteht bei 14 weiteren Personen der Verdacht, dass auch sie Opfer des sexuellen Missbrauchs auf einem Campingplatz geworden sein könnten. Die Ermittler gehen von mehr als 1.000 Fällen aus. Weitere Betroffene haben sich möglicherweise noch nicht gemeldet. "Dem Opferschutz und der Opfernachsorge räumen wir einen hohen Stellenwert ein", so die Beamten.

Jugendamt und Polizei im Visier

Neben dem Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs verfolgen die Ermittler zwei weitere Stränge. Zum einen geht es um die Verbreitung von Kinderpornografie im Internet. Bei den Verdächtigen stellte die Polizei auf zahlreichen Datenträgern Beweismaterial mit einem Datenvolumen von 14 Terabyte sicher, wobei nur ein Teil der Fotos und Videos in Lügde entstand. Das Bundeskriminalamt hat Material aus anderen Fällen identifiziert.

Zum anderen schaut sich die Staatsanwaltschaft das Verhalten der Jugendämter im Kreis Lippe und im benachbarten niedersächsischen Landkreis Hameln-Pyrmont an. "Wir überprüfen, ob die Behörden Fehler gemacht haben", sagte der Detmolder Oberstaatsanwalt Ralf Vetter dazu. Mindestes eines der Opfer soll ein Pflegekind des 56-Jährigen gewesen sein. Der Vorwurf: Das Jugendamt hätte dem Mann keine Pflegekinder zuweisen dürfen, weil es bereits Hinweise aus sexuellen Missbrauch gab. Inzwischen wird auch gegen die Polizei in Lippe ermittelt, weil auch sie Hinweisen nicht ausreichend nachgegangen sein soll.

Koffer mit Beweismaterial verschwunden

 Mehrere Sonderermittler sind eingesetzt worden: In der Kreispolizeibehörde Lippe sind offenbar ein Koffer und eine Hülle mit 155 Datenträgern abhanden gekommen. NRW-Innenminister Reul schließt Vorsatz nicht aus und spricht von Polizeiversagen. Gegen zwei Detmolder Polizisten wird schon ermittelt – es geht um den Verdacht der Strafvereitelung.


Hinweistelefon der Polizei für mögliche weitere Opfer: (0 52 31) 6 09 30 56


    


Was sagen die Ermittler?

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Nachbarn in Steinheim sind schockiert

Ein Mann aus Steinheim soll Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Für Nachbarn und Familie ist das völlig unfassbar. Özkan Yilandi ist ein Nachbar des beschuldigten Steinheimers. Der Betreiber einer Pizzeria kennt den Tatverdächtigen seit seiner Kindheit.

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Gab es Hinweise bei Polizei und Jugendamt?

Die Vorwürfe gegen Polizei und Jugendamt werden lauter. Bei der Polizei sollen schon 2016 erste Hinweise auf möglichen Missbrauch auf dem Campingplatz eingegangen sein. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

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"Es ist nichts Alltägliches für uns"

Das sagten die Ermittler auf der Pressekonferenz am 30. Januar zu den Missbrauchsfällen in Lügde-Elbrinxen. Sie müssen jetzt die Unmengen an Daten auswerten. Außerdem gehen sie davon aus, dass sich noch weitere Opfer melden.

Und auch die Reaktionen im Netz zeigen, wie sehr die Emotionen bei diesem Fall hoch kochen.

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