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Nachrichten aus Paderborn und Höxter

Staatsgäste aus fast 50 Ländern bei Holocaust-Gedenken

Es ist das größte Staatsereignis seit der Gründung Israels 1948: Beim Internationalen Holocaust-Forum wird an die Befreiung von Auschwitz vor 75 Jahren erinnert.

Steinmeier in Israel

Jerusalem (dpa) - Staats- und Regierungschefs aus fast 50 Ländern erinnern am Donnerstag in Israel an die Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren.

Nach Angaben des israelischen Außenministeriums handelt es sich um das größte Staatsereignis seit der Gründung Israels 1948. Beim Holocaust-Forum wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als erstes deutsches Staatsoberhaupt überhaupt in Yad Vashem eine Rede halten.

Auch die Präsidenten Frankreichs und Russlands, Emmanuel Macron und Wladimir Putin, US-Vizepräsident Mike Pence und der britische Thronfolger Prinz Charles nehmen an der Großveranstaltung teil. Sie hat den Titel «An den Holocaust erinnern, Antisemitismus bekämpfen» und findet vor dem Hintergrund zahlreicher antisemitischer Vorfälle weltweit statt.

Am kommenden Montag, dem 27. Januar, jährt sich zum 75. Mal die Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz im von Hitler-Deutschland besetzten Polen. Das nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gilt weltweit als Symbol für den Holocaust. Nach Schätzungen wurden dort mehr als eine Million Menschen ermordet, zumeist Juden. Als Soldaten der Roten Armee das Lager am 27. Januar 1945 erreichten, fanden sie noch etwa 7000 überlebende Häftlinge. Viele von ihnen starben in kurzer Zeit an den Folgen von Hunger, Krankheiten und Erschöpfung.

Die Sicherheitsvorkehrungen in Jerusalem und Yad Vashem sind wegen der vielen ranghohen internationalen Gäste extrem hoch. Die Hauptverbindungsstraße zwischen den beiden Großstädten Jerusalem und Tel Aviv wird zeitweise geschlossen. Laut Polizei gilt im Umkreis von rund 750 Metern um Yad Vashem eine Flugverbotszone. Nach einem Bericht der «Times of Israel» sind rund 10 000 Polizisten im Einsatz.

Der Bundespräsident traf am Mittwoch mit seiner Frau Elke Büdenbender ein und wurde in Jerusalem von Israels Staatspräsident Reuven Rivlin begrüßt. Steinmeier und Rivlin wollen am Montag auch am Gedenken in Auschwitz teilnehmen und am Mittwoch im Bundestag reden.

Steinmeier sprach auch mit Überlebenden des Holocaust. «Ich will Ihnen versichern, dass wir um die Verantwortung Deutschlands wissen», sagte er ihnen. Zugleich bekräftigte er, «dass dies eine Verantwortung ist, die keinen Schlussstrich kennt.» Steinmeier machte deutlich, dass diese Verantwortung die Deutschen auch zum Eintreten gegen Antisemitismus heute verpflichte.

Der Beauftragte der Bundesregierung für das jüdische Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, Felix Klein, sieht dabei auch die Bürger in der Pflicht. «Ich erwarte vom einzelnen Bürger Wachsamkeit. Dass, wenn jeder Einzelne in seinem persönlichen Umfeld Antisemitismus wahrnimmt, dass er auch einschreitet, damit es unangenehm wird für Menschen, die sich antisemitisch äußern», sagte Klein der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Es ist wichtig, dass wir auch eine neue und bedeutend größere Solidarität mit Juden in Deutschland an den Tag legen.»

Klein betonte, Staat und Gesellschaft müssten Antisemitismus schon an der Wurzel bekämpfen. «Und das fängt nicht bei den Straftaten an, sondern viel früher bei antisemitischen Sprüchen, die die Menschen hören, in der U-Bahn, am Arbeitsplatz, im Fußballstadion. Da muss die Zivilgesellschaft eingreifen.»

Russlands Präsident Putin will vor Beginn des Forums am Vormittag in Jerusalem ein Denkmal für die Blockade Leningrads einweihen. Die 900 Tage lange Belagerung gilt als eines der schwersten Verbrechen gegen die Menschlichkeit der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Auf Befehl von Adolf Hitler sollte die Stadt durch systematisches Aushungern ihrer Bewohner ausgelöscht werden. Mehr als eine Million Menschen starben.