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Verena Hagemeier
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Nachrichten aus Paderborn und Höxter

Acht Kandidatenduos bewerben sich wohl um den SPD-Vorsitz

Zwei Monate lief die Frist, in der sich Interessenten melden konnten - und nach zähem Start findet sich noch eine größere Kandidatenschar zusammen.

Ende der Frist

Berlin (dpa) - Bei der SPD gehen voraussichtlich acht Kandidatenduos ins Rennen um den Parteivorsitz. An dieser Bewerberlage hatte sich zunächst nichts mehr geändert, wie eine Sprecherin kurz vor dem Ende der zweimonatigen Frist am Sonntagnachmittag in Berlin sagte.

Das betreffe auch den Satiriker Jan Böhmermann. Dieser ging nach eigenen Angaben aber am Sonntag zunächst davon aus, die nötigen Unterlagen noch einreichen zu können. An diesem Montag soll der Wahlvorstand der SPD zusammenkommen, um das Kandidatenfeld endgültig zu bestätigen. Die zugelassenen Bewerber sollen sich dann bei 23 Regionalkonferenzen der Basis vorstellen. Start ist am 4. September in Saarbrücken.

Aus Sicht des neuen Bremer Regierungschefs Andreas Bovenschulte (SPD) spricht vieles für eine Doppelspitze als SPD-Führung. Es gebe angesichts des Drucks und der vielen Aufgaben durchaus funktionale Gründe, die für ein Job-Sharing beim Vorsitz sprächen. «Das kann zukunftsweisend sein», sagte Bovenschulte, der in Bremen eine rot-grün-rote Regierung anführt, der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist ja nicht so, dass die Parteien, die eine Doppelspitze haben, alle schlecht dastehen und schlecht damit fahren.»

Zuletzt hatten laut SPD diese acht Duos die Voraussetzungen erfüllt: Bundesfinanzminister Olaf Scholz gemeinsam mit der Brandenburger Landtagsabgeordneten Klara Geywitz, Ex-NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans und die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken, Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping, die Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission, Gesine Schwan, und Parteivize Ralf Stegner, Europa-Staatsminister Michael Roth und die Ex-NRW-Familienministerin Christina Kampmann, die Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer, Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange und der OB von Bautzen, Alexander Ahrens, sowie die Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis und der Verdi-Chefökonom Dierk Hirschel.

Böhmermann hatte nach eigenen Worten die SPD-Mitgliedschaft in Köthen (Sachsen-Anhalt) erhalten - der SPD-Landesverband hatte am Samstag allerdings widersprochen. Am Sonntag teilte Böhmermann auf Twitter mit, es gebe wohl «noch immer kleinere Herausforderungen» mit seiner Mitgliedschaft. Er sei aber in Kontakt mit Unterbezirken und wolle bis Ende der Bewerbungsfrist am Sonntagabend um 18.00 Uhr die Unterlagen formell einreichen.

Aus Sicht der kommissarischen SPD-Vorsitzenden Malu Dreyer sollte die programmatische Neuausrichtung der Partei unabhängig von möglichen künftigen Koalitionen erfolgen. «Eine Partei darf sich programmatisch niemals so ausrichten, wie eine Regierungskonstellation es gerade mal zulässt», sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin der dpa in Mainz. Insofern seien neue Ideen etwa des Eckpunktepapiers für eine Vermögensteuer auch kein Schritt hin zu einem vorzeitigen Ende der großen Koalition. «Die SPD tut jetzt, was sie sich vorgenommen hat: Wir haben nach der Bundestagswahl versprochen, dass wir uns programmatisch weiterentwickeln.»