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Verena Hagemeier
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Nachrichten aus Paderborn und Höxter

Die Spannung steigt: Wahlkampfendspurt in Thüringen

Die Thüringer entscheiden am Sonntag an der Wahlurne über einen neuen Landtag.

Landtagswahl am Sonntag

Erfurt (dpa) - Mit Politprominenz haben Thüringer Parteien im Schlussspurt vor der Landtagswahl noch einmal um Wählerstimmen geworben.

Die Grünen holten ihre Bundesvorsitzenden Robert Habeck und Annalena Baerbock nach Erfurt und Jena, bei den Sozialdemokraten suchten neben Kandidaten für den SPD-Vorsitz auch die kommissarischen SPD-Parteichefin Malu Dreyer in der Thüringer Landeshauptstadt den Dialog mit den Wählern.

Dreyer hob die Arbeit der Thüringer SPD in der rot-rot-grünen Koalition hervor. Die Regierungsbilanz der Sozialdemokraten sei eine sehr, sehr gute, betonte Dreyer. «Man kann nur sagen, Thüringen steht wirklich sehr gut da und mit unseren Ressorts haben wir auch echte Akzente gesetzt.»

Habeck rief Grünen-Anhänger dazu auf, zum Endspurt noch einmal auf die Straße zu gehen. Oft würden sich die Menschen erst 24 Stunden vor der Wahl entscheiden. Thüringens Grünen-Spitzenkandidat Dirk Adams griff erneut die AfD mit ihrem Landeschef Björn Höcke scharf an. Höckes Rhetorik sei «faschistisch, rassistisch und antisemitisch». Die AfD sei niemals bürgerlich gewesen, sondern immer radikal.

Die AfD wollte ihren Wahlkampf am Nachmittag auf dem Erfurter Domplatz abschließen. Dazu wird auch der Bundesvorsitzende Alexander Gauland erwartet. Die Thüringer CDU plante am Abend ihre Abschlussveranstaltung in der Thüringer Landeshauptstadt unter anderen mit der Bundesvorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer und dem Bundesvorsitzenden der Jungen Union, Tilman Kuban. Linke, SPD und FDP hatten bereits am Freitag ihren Abschlusskundgebungen.

Rund 1,7 Millionen Thüringer sind am Sonntag aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Erwartet wird eine spannende Wahl. Nach der jüngsten Wahlumfrage des ZDF-Politbarometers könnte die rot-rot-grüne Koalition von Deutschlands einzigem Ministerpräsidenten der Linken, Bodo Ramelow, ihre knappe Mehrheit verlieren. Die Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen sieht Rot-Rot-Grün bei 44 Prozent.

Die Linke kommt dabei als stärkste Partei auf 28 Prozent, ihre Koalitionspartner SPD und Grüne auf 9 beziehungsweise 7 Prozent. Auch eine CDU-Regierung mit SPD, Grünen und der um 5 Prozent schwankenden FDP hätte danach keine Mehrheit. Die CDU, die mehr als zwei Jahrzehnte in Thüringen regiert hat, kommt nach der ZDF-Umfrage auf 26 Prozent und würde ihre Rolle als stärkste Partei verlieren. Die AfD, die in Thüringen vom Wortführer des rechtsnationalen Flügels, Höcke, geprägt wird, bekäme laut Forschungsgruppe Wahlen 21 Prozent.

Sollte es für Rot-Rot-Grün nach der Wahl nicht reichen, könnte eine Regierungsbildung in Thüringen schwierig werden. Die CDU hat im Vorfeld Bündnisse mit der Linken und der AfD ausgeschlossen. CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring hatte sich für eine Viererkoalition seiner Partei mit Grünen, SPD und FDP ausgesprochen.