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Nachrichten aus Paderborn und Höxter

«Waldgipfel»: Klöckner will Pläne für Nothilfen vorstellen

Der deutsche Wald ist zu einem akuten Patienten geworden. Bund und Länder bereiten schon Programme vor - nicht zuletzt als Reaktion auf den Klimawandel.

Eckpunktepapier erwartet

Berlin (dpa) - Die deutschen Wälder sollen angesichts drastischer Schäden durch Trockenheit und Schädlinge Nothilfen bekommen.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) will bei einem «Nationalen Waldgipfel» Pläne für koordinierte Maßnahmen vorstellen, die den Wald auch besser gegen den Klimawandel wappnen sollen. Dabei geht es unter anderem um Aufforstungen. Klöckner hatte bereits eine halbe Milliarde Euro zusätzliche Bundesmittel in Aussicht gestellt, dazu sollen Beiträge der Länder kommen. Zu der Konferenz mit Reden und Fachforen werden Vertreter von rund 170 Organisationen erwartet.

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) forderte deutlich mehr Fachkräfte. «Der klimagerechte Umbau des Forstes ist eine Mammutaufgabe, die sich nur mit zusätzlichem Personal stemmen lässt», sagte der Vize-Vorsitzende Harald Schaum der Deutschen Presse-Agentur. Dabei gehe es darum, Monokulturen durch Mischwälder zu ersetzen. Gebraucht werde hierfür ein zusätzlicher Forstbeschäftigter pro 1000 Hektar, was bei elf Millionen Hektar Wald in Deutschland einen Mehrbedarf von 11.000 Beschäftigten bedeute - jeweils zur Hälfte für den privaten und den öffentlichen Forst.

Der Grünen-Agrarpolitiker Harald Ebner sagte der dpa, mehr Geld sei wichtig und richtig, es müsse aber vernünftig eingesetzt werden. «Die Millionen jetzt einfach wie Herbstlaub in der Fläche zu verstreuen für Pflanzungen mit fragwürdigen Erfolgsaussichten und unklarer Zielrichtung, wäre herausgeworfenes Geld.» Der Wald müsse außerdem auch eine Chance bekommen, sich selbst zu erneuern.

Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze warnte davor, die Hilfen falsch einzusetzen. «Fördermittel aus Steuergeldern soll es für die Waldbesitzer geben, die ihre Flächen vor allem am Nutzen für Natur und Klimaschutz ausrichten und nicht an der Produktion», sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwoch).

Stürme, Schädlinge und die extreme Dürre des vergangenen Jahres haben in deutschen Wäldern massive Schäden angerichtet. Auch in diesem Jahr ist es vielerorts zu trocken gewesen. Klöckner und mehrere Verbände haben sich für ein großes Wiederaufforstungsprogramm mit Millionen Bäumen stark gemacht. Der Schaden ist wohl noch größer, als zunächst geschätzt: Wie die Funke-Mediengruppe und das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Mittwoch) berichten, nennt das Landwirtschaftsministerium nun eine aufzuforstende Fläche von 180.000 Hektar. Zuvor war von 110.000 Hektar die Rede gewesen.

Beschädigtes Holz muss rasch aus den Wäldern herausgebracht werden. Daher fordert die Forstwirtschaft einen umfassenden «Pakt für den Wald». Insgesamt sei von Kosten von rund zwei Milliarden Euro auszugehen, hatte der Verband der privaten Waldeigentümer erläutert.

Klöckner will beim «Waldgipfel» ein Eckpunktepapier mit Maßnahmen vorstellen, wie es vorab hieß. Diese zielten darauf, akuten Schäden zu begegnen, zerstörte Flächen wieder zu bepflanzen und die Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel zu stärken. Dabei sollten auch die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder und eine effiziente Holzverwendung ausgebaut werden.

Zur Bekämpfung von Waldbränden fordern die Grünen einem Bericht der Funke-Zeitungen zufolge, dass der Bund fünf Löschhubschrauber für 25 Millionen Euro kauft und mehr Geld für Katastrophenschutz bereitstellt. Am Mittwoch werde der Innenausschuss des Bundestags entsprechende Anträge diskutieren.