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«All Mirrors»: Angel Olsen entdeckt große Arrangements

Im Laufe ihrer Karriere ist der Sound von Angel Olsen immer dichter geworden. Ihr neues Album «All Mirrors» wirkt nun wie ein Breitwandgemälde.

Vom Folklied zum Orchester

Berlin (dpa) - Einst schrieb die US-Amerikanerin Angel Olsen minimalistische Folk-Songs. Auf ihrem vierten Studioalbum sind ihre Lieder zu epischen Orchesterstücken und kühlen Synthie-Meditationen angewachsen.

Was auf «All Mirrors» geblieben ist: der Sinn der 32-Jährigen für melancholische und schwelgerische Melodien. Auch die introspektiven Songtexte, die von zwischenmenschlichen Beziehungen, geplatzten Hoffnungen oder Sehnsüchten handeln, sind noch da. Und das kehlige Vibrato, für das die Musikerin bekannt ist.

Neu ist die Instrumentierung. Angel Olsen bringt auf «All Mirrors» zwei unterschiedliche Ansätze zusammen, die erstaunlich gut harmonisieren. Da sind die sich langsam aufbäumenden Orchester-Stücke wie «Lark» ohne klassische Strophen-Refrain-Strukturen. Wiederkehrende Melodien werden mit immer mehr Streichern angereichert und entwickeln über den Verlauf mehrerer Minuten eine große emotionale Wucht. Und dann gibt es die elektronisch instrumentierten Lieder, die mit ihrer kühlen Stimmung und mit leiernden Synthesizern («Too Easy», «New Love Cassette») fast schon an frühe Goldfrapp-Alben erinnern.

Ursprünglich plante Olsen ihrer Plattenfirma zufolge, «All Mirrors» in zweifacher Ausfertigung zu veröffentlichen. So sollte das Album zum einen mit Solo-Versionen der Songs und zum anderen mit Aufnahmen in voller Bandbesetzung erscheinen. Am Ende hätten die üppig instrumentierten Stücke aber eine solche Kraft entwickelt, dass es für Olsen keinen Sinn mehr gemacht hätte, die gleichen Lieder auch noch in minimalistischer Version zu veröffentlichen. Das Ergebnis sind elf Lieder, die auch live eine lohnende Erfahrung versprechen.