Responsive image
 
---
---
Nachrichten aus Paderborn und Höxter

Auf der Suche: Mikal Cronins Classic-Rock-Versuch

Raus aus den kleinen Clubs - rauf auf die größeren Bühnen: Nach diesem Karriereplan klingt das am Classic-Rock der 60er bis 80er Jahre sich entlang hangelnde neue Album von Mikal

Seeker

Berlin (dpa) - Mit einem mächtigen Intro zwischen psychedelischen Beatles und 70er-Stadionrock (Power-Drums, Sitar, Streicher) startet Mikal Cronin in sein viertes Soloalbum. Es heißt «Seeker» - und ein Suchender scheint der Kalifornier tatsächlich zu sein.

Nach zahllosen Jobs als Sidekick - unter anderem bei Garagenrock-Großmeister Ty Segall - und drei sehr guten, aber leider zu wenig wahrgenommenen Platten unter eigenem Namen scheint er das Glück beziehungsweise größeren Ruhm nun erzwingen zu wollen.

Nach dem Bombast-Opener «Shelter» klingt «Show Me» ein wenig wie die Waterboys in ihrer «Big Music»-Phase Mitte/Ende der 80er Jahre. Danach erinnern «Feel It All», eine klavier- und bläserverstärkte Ballade, an die Rolling Stones zu «Angie»-Zeiten - und «I`ve Got Reason» wieder an die späten Fab Four und deren «Dear Prudence». «Guardian Well» trumpft mit fettem Americana-Sound inklusive Mundharmonika wie bei Neil Young auf.

Mit «Seeker» (Merge/Cargo) ist der 33-jährige Sänger, Songwriter und Multi-Instrumentalist Cronin also weniger auf der Suche nach einem eigenen Sound als vielmehr nach einer erfolgversprechenden Powerpop- und Heavyrock-Rezeptur. Das ist in seinem Fall, angesichts starker Songs, gar nicht mal verkehrt.

Auch die bisherigen Solowerke seit dem Debüt «Mikal Cronin» (2011) hatten schließlich mit dem LoFi-Geknüppel einiger seiner Kumpels und Arbeitgeber eher wenig zu tun. Sie waren bereits zugänglich und in der großen Tradition des Rock `n` Roll durchaus überzeugend.

Das live mit engen Freunden und Sound-Ingenieur Jason Quever in den Palmetto Studios von Los Angeles eingespielte neue Album spielt nun so gekonnt mit Classic-Rock-Elementen (ja, auch mit Klischees), dass man Cronin für seine Abwendung vom Sound kleiner Clubs nicht böse sein kann. Es wäre diesem tollen US-Musiker zu gönnen, dass er auf der Suche nach mehr Anerkennung einen sicheren Weg findet - mit «Seeker» stehen die Zeichen gut.

Konzerte 2020: 31.1. Baden/Schweiz, 10.2. München, 12.2. Berlin, 19.2. Hamburg