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Verena Hagemeier
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Nachrichten aus Paderborn und Höxter

«Spuren des Bösen» - ein neuer Fall für Heino Ferch

Der Psychiater Richard Brock kehrt zurück, allerdings im Rollstuhl. Die Einschränkung schlägt ihm aufs Gemüt.

TV-Tipp

Berlin (dpa) - Hektische Szenen, Verfolgungsjagden, Schüsse: Richard Brock (Heino Ferch) plagen Alpträume. Wenn er nachts schweißgebadet aufwacht, zündet er sich erst einmal eine Zigarette an. Gleich danach folgt der Griff zur Flasche.

Im achten Film der Krimireihe «Spuren des Bösen», den das ZDF an diesem Montag um 20.15 Uhr ausstrahlt, bietet der Psychiater und Verhörspezialist ein klägliches Bild. Nachdem der Haudegen bei seinem vorigen Fall schwer verletzt worden ist, sitzt er im Rollstuhl. Unrasiert und mit einem mürrischen Gesichtsausdruck fährt er in seiner Wohnung umher und weiß nichts Besseres mit seiner Zeit anzufangen, als heimlich die Nachbarn zu beobachten.

In voyeuristischer Manier schaut Brock durch das Fernglas und lässt seinen Blick von Fenster zu Fenster schweifen, bis er eines Tages Zeuge eines Mordes wird. Als der Psychiater Alarm meldet, sieht es zunächst so aus, als leide er an Wahnvorstellungen. Die Polizei kann kein Verbrechen erkennen, zumal das vermeintliche Mordopfer kurze Zeit später völlig unversehrt wieder in der Wohnung auftaucht.

Sind die grausamen Szenen, die Brock beobachtet hat, das Ergebnis seiner Alkohol- und Medikamentensucht? Die Polizei geht stark davon aus. Doch in diesem Film ist nichts, wie es scheint. Am Ende beweist der gewiefte Psychiater, dass er seine Geisteskräfte nicht verloren hat. Dazu trägt unter anderem Brigitte Klein (Katrin Bauerfeind) bei, eine Kollegin, die im Auftrag von Brocks Tochter Petra (Sabrina Reiter) wieder Ordnung in das Leben des übellaunigen Mannes bringt.

Obwohl auch die achte Folge der Krimireihe durch eine düstere Grundstimmung gekennzeichnet ist, hat sie auch ganz andere Momente: In Brocks Privatleben zeichnet sich eine Wende ab. Während seine Tochter ein Baby erwartet, findet er in Brigitte wieder einen Menschen, den er lieben kann. Die kluge wie selbstbewusste Psychiaterin erweist sich intellektuell als ebenbürtig und findet die richtigen Worte, um den wortkargen Pessimisten zu erreichen.

Die Chemie zwischen den beiden Darstellern stimmt, und das zieht die Zuschauer in ihren Bann. Heino Ferch, der ein weiteres Mal durch sein zurückhaltendes, abweisendes Spiel Faszination auslöst, beweist dabei, dass er mit minimalen Mitteln auch große Gefühle zum Ausdruck bringen kann.

Über weite Strecken spielt die Handlung in geschlossenen Räumen, ist aber dennoch spannend inszeniert, auch wenn es am Ende ein bisschen schnell geht. Nichtsdestotrotz erweist sich «Spuren des Bösen - Sehnsucht» als gelungener Krimi, der mit einnehmenden Figuren und dichter Atmosphäre punktet.