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Sinah Donhauser
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Wenn auf der Handyrechnung plötzlich unbekannte Beträge auftauchen

"Sonderdienst Drittanbieter" oder "Forderungen für Fremdleistungen" – wer solche Posten auf seiner Mobilfunkrechnung findet, bei dem sollten direkt alle Alarmglocken schrillen. Denn häufig versteckt sich dahinter eine besondere Art der Abzocke. Per Abofalle wollen uns Flirt- oder Erotik-Dienste, Klingelton- oder Spiele-Anbieter Geld für Leistungen abnehmen, die wir weder bestellt noch geliefert bekommen haben.

Die Stiftung Warentest warnt aktuell vor dieser Masche. Bei ihrem Verbrauchermagazin "Finanztest" sind seit April über tausend Beschwerden zu solchen ungewünschten und nicht geforderten Leistungen eingegangen. Die abgebuchten Summen beginnen bei rund fünf Euro, bei einem Betroffenen summierten sich die unberechtigten Forderungen aber sogar auf über 120 Euro.

Häufig traf es bei den aktuellen Fällen laut der Verbraucherschützer Kunden von Mobilcom-Debitel, Vodafone und Klarmobil. Die Masche und was wir dagegen tun können, wir haben für Euch nachgeschaut.

Kein Vertrag, kein Kauf

Beim (mobilen) Surfen im Netz passiert es schnell: Wir klicken ein Werbebanner an – versehentlich oder ohne groß drüber nach zu denken – und schon ist es passiert. Obwohl wir damit gar nichts gekauft oder bestellt haben, haben wir uns ein Abo "eingeheimst". Dass wir einem Betrug aufgesessen sind, sehen wir aber erst auf unserer nächsten Smartphone-Rechnung. Dort finden wir auf einmal zusätzliche Posten, die wir häufig gar nicht kennen bzw. keiner Leistung zuordnen können.

Die Verbraucherschützer der "Stiftung Warentest" bewerten diese Masche der Drittanbieter als Betrug. Denn grundsätzlich müssen wir für eine solche Abo-Bestellung einen eindeutigen Hinweisbutton anklicken. Dieser muss mit den Worten "kostenpflichtig bestellen" oder "kaufen" die Situation für uns Kunden eindeutig beschreiben. Die Verbraucherschützer betonen vor diesem Hintergrund, "ein Klick auf eine Werbung oder auf ein Bild ist keine Bestellung. Für alle, die nichts bestellt haben, gilt: Auf keinen Fall bezahlen."

Mobilfunkfirmen sind nicht unschuldig

An dem Geschäft der Drittanbieter verdienen drei Partner – die Mobilfunkanbieter, die Abrechnungsdienstleister und die Drittanbieter. Sollten wir Kunden für unser Geld auch eine Leistung erhalten, ist das Geschäft durchaus korrekt.

Eine Studie des Bundesverbands der Verbraucherzentralen ergab jedoch, das zwei Drittel dieser Geschäfte anders verliefen. Die Mobilfunkanbieter aber sagen, ihnen lägen nur überschaubar viele Reklamationen der Kunden wegen solcher Drittanbietergeschäfte vor. Ein Sprecher von Vodafone sprach für 2018 gegenüber "Finanztest" von einer niedrigen fünfstelligen Anzahl.

Lesen und Beschweren

Damit wir nicht in die Abofalle tappen, sollten wir unsere Mobilfunkrechnung immer genau studieren. Sollten wir über „Sonderdienste Drittanbieter“ stolpern, gilt es direkt zu prüfen – haben wir auch wirklich etwas bestellt und eine Leistung erhalten. Andernfalls sollten wir laut der Stiftung Warentest drei Mails verschicken.

  1. Bei dem in der Rechnung aufgeführten Drittanbieter sollten wir den Vertrag beanstanden und erklären, dass es keinen Vertrag dieser Art gäbe.
  2. Diese Mail sollten wir auch an unseren Mobilfunkbetreiber schicken, dort ebenfalls Widerspruch gegen die Forderung einlegen und das Geld zurückfordern. Die Stiftung Warentest bietet dafür einen Musterbrief an.
  3. Wir sollten zudem auch die Bundesnetzagentur per Mail informieren als staatliche Aufsicht dieser Geschäfte. (rufnummermissbrauch@bnetza.de)

Wenn wir betrogen wurden, sollten wir auch die Polizei verständigen und Anzeige erstatten. Auch das geht einfach online. Eine schrittweise Anleitung findet sich hier.

Stichwort Drittanbietersperre

Wir können uns gegen diese Form des Abobetrugs aber auch vorsorglich schützen. Das klappt über die sogenannte "Drittanbietersperre". Jeder Mobilfunkbetreiber muss diese einrichten, wenn der Kunde es wünscht. Dafür reicht eine Mail oder ein Brief – einen Musterbrief gibt es dazu hier auf der Seite der Verbraucherzentrale.

Bei vielen Mobilfunkanbietern können wir die Drittanbietersperre aber auch über das Kundenportal oder die App beantragen. Teilweise haben wir dann auch direkt die Möglichkeit, die  Kategorien für die die Sperre gelten soll, zu präzisieren. Möglicherweise wird dieser Aufwand aber auch bald schon nicht mehr nötig sein. Im September will das Bundesjustizministerium einen entsprechenden Kundenschutz gesetzlich verankern.

Dann soll die Drittanbietersperre auf jedem Smartphone voreingestellt sein.


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