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Stefani Josephs
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Netzklick

"Diskutier mit mir" - eine App zum Mitreden ohne Hass

Er findet, „Denkpausen“ bei politischen Diskussionen im Netz seien sehr wichtig und „empfiehlt bei aufkommendem Ärger in einer politischen Debatte erst einmal nicht zu reagieren.“ Der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert hat am Wochenende die fehlende Debatten-Kultur in den sozialen Medien kritisiert.

In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sprach er von der zunehmenden Radikalisierung der politischen Diskussion, die vor allem auch durch spontane Reaktionen angeheizt werden würden. Eine App bzw. Online-Diskutier-Plattform geht genau diesen anderen, etwas langsameren Weg der Debatte mit „Denkpausen“.

„Diskutier-mit-mir“ heißt sie und hat seit ihrer Gründung nun schon 30.000 politische Gespräche ermöglicht. Pünktlich zu den anstehenden Landtagswahlen in Sachsen und Berlin-Brandenburg hat sie gerade eigene Diskutierchannels gestartet. Wer will, kann aber auch zu vielen anderen, wichtigen politischen Themen einen Online-Gesprächspartner suchen.

Wir haben mal mit diskutiert.

Die Anmeldung

Das Anmelde-Procedere ist einfach. Wir können uns für die Diskussionen registrieren, müssen es aber nicht. Sollten wir allerdings mehrere Gespräche parallel führen wollen, ist eine Registrierung nötig. Dafür müssen wir unsere E-Mail-Adresse angeben und fertig. Im zweiten Schritt werden wir noch nach Nutzername, Alter und Wohnort (Bundesland) gefragt.

All diese Angaben sind aber freiwillig. Verpflichtend ist jedoch, dass wir die AGBs und die Datenschutzerklärung akzeptieren. In letzterer ist auch die Cookie-Nutzung erläutert, die wird dort aber auch direkt per Klick ausstellen können. Das alles dauert wenige Sekunden und schon sind wir Chat-bereit.

Die Diskussion starten

Zur Auswahl stehen aktuell vier Chatchannels – Talking Europe, Meine Meinung-Deine Meinung und die beiden aktuellen Channels zu den anstehenden Wahlen. Sobald wir uns für einen Channel entschieden haben und anklicken, poppen fünf Thesen auf.

Bei Talking Europe werden wir z.B. gefragt: „Die EU-Mitgliedsstaaten sollten keine weiteren Flüchtlinge mehr aufnehmen“ oder „Unnötige Plastikverpackungen in Supermärkten sollten in der gesamten EU verboten werden.“. Mittels „Daumen hoch-„ bzw. „Daumen runter-Button“ geben wir unsere Haltung preis.

Jetzt müssen wir nur noch auf „Diskutier mit mir“ klicken und schon sucht die App einen Gesprächspartner.

Das dauert mal länger, mal kürzer – je nach Thema, Tag und Uhrzeit. Die vielfach schlechten Rezensionen in den App-Stores können wir nicht bestätigen, es gab aber auch gerade erst zwei frische Aktualisierungen der Apps (iOS/Android).

Die Diskussionen

Unsere ersten Versuche scheitern, weil uns die App einen Gesprächspartner zugeordnet hat, der gar nicht kontrovers zu meiner Meinung unterwegs ist. Wir suchen uns dann eine neue These – das geht einfach über einen Plus-Button – und kommen dann auch „ins Gespräch“.

Das Wohltuende dabei – diese Diskussion – wie auch die anderen - läuft sehr sachlich, inhaltsreich und ruhig ab. Und – wie es Norbert Lammert ja fordert – wir haben zwischendurch zwangsläufig Denkpausen. Denn zum einen läuft keine Stoppuhr und wir können uns für unsere Antworten und Thesen einfach Zeit lassen. Und zum anderen ist unser Gesprächspartner vielleicht auch einfach mal online.

Das wird uns entsprechend angezeigt. Für jedes Gespräch haben wir nach Beginn bis zu sieben Tage Zeit und wir können den Faden innerhalb dieser Zeit jederzeit wieder aufnehmen. Der bisherige Diskussionsverlauf lässt sich in der sowieso auffällig übersichtlich gestalten App schnell nachlesen.

Die Macher

Die Diskutierplattform mit ihren App-Verlängerungen wurde 2017 zur Bundestagswahl gegründet. Vier Berliner Freunde – Louis Klamroth, Niklas Rakowski, Claire Samtleben und Moritz Hohlfeld - waren die Initiatoren, sie hatten festgestellt – so beschrieb es unlängst Nikolas Rakowski, Doktorant in der Forschungsgruppe Demokratie und Digitalisierung in Berlin in einem Fernsehinterview -, „dass wir online gar nicht mehr diskutieren.“

Ein gemeinnütziger Verein koordiniert Plattform und Apps, gefördert auch von der Schöpflin-Stiftung und der Bundeszentrale für politische Bildung. Das große Ziel – wie sie selbst auf Ihrer Homepage schreiben: „Geschützte digitale Räume zu schaffen und Menschen mit gegensätzlichen politischen Ansichten in einen Dialog zu bringen.“ Wir finden, das hat geklappt und uns hat der gepflegte Meinungsaustausch mit fremden aber diskutierfreudigen Menschen gut gefallen. Die App ist kostenlos verfügbar für iOS und Android.


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