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Stefani Josephs
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Netzklick

Lebensretter Smartphone – wenn der Notarzt direkt weiß, wo der Notfallort ist

Es war dunkel, es war nass und der Unfall passierte z.B. auf einer Landstraße irgendwo in einem unübersichtlichen Waldgebiet. Wer dann schnell Hilfe braucht, ruft die 112. Eine der ersten Fragen neben dem „Was ist passiert“ ist das „Wo ist es passiert?“ Und diese Frage können viele Anrufer nicht direkt und genau beantworten – entweder weil sie unter Schock stehen oder aber auch – und das kommt häufig vor –, weil sie gar nicht wissen, wo sie sich genau befinden. Zwar können sie sich vielleicht noch an ein letztes Hinweisschild oder das letzte Dorfausgangsschild erinnern, aber das ist ja noch nicht der aktuelle Notfallort. Die Folge – es verrinnen wichtige Sekunden und Minuten bei der Rettung. Diese Situation gehört der Vergangenheit an – zumindest zum Teil, denn AML startet. AML steht für Advanced Mobile Location. Diese neue Notruftechnik übermittelt automatisch unseren aktuellen Standort an die Notrufzentrale, sobald wir die 112 angewählt haben. Wie AML funktioniert, warum iPhone-Besitzer noch warten müssen und wie wichtig Freiburg und Berlin sind – hier sind die Antworten.

Eine SMS, die Leben retten kann

Wenn wir die 112 wählen, schalten mit AML ab sofort die meisten Smartphones (siehe unten) automatisch die GPS-Funktionen unseres Handys an. So kann das Smartphone unsere Standort-Koordinaten feststellen. Zusätzlich wird das jeweilige WLAN-Netz gecheckt und die Mobilfunkmasten in der Umgebung gesucht. Alle diese Informationen gehen parallel zum Anruf als SMS an die zuständige Leitstelle. Diese leitet sie an den Rettungssanitäter und den Notarzt weiter, so dass diese metergenau wissen, wohin sie fahren müssen.

Alles fix und fertig

Die notwendige Technik ist in unseren Smartphones schon integriert, es braucht dazu keine weitere App. Aktiviert wird die AML-Technik über die üblichen Updates für unser Smartphone. Wir müssen also nicht extra aktiv werden. Allerdings braucht AML natürlich ein Netz. Gerade in ländlichen Regionen weist das ein oder andere Mobilfunknetz noch weiße Flecken auf. Dann können die Menschen in Not zwar mit der Leitstelle telefonieren, aber es werden keine GPS-Daten übermittelt.

Die neue Technik ist gar nicht so neu

In vielen Ländern der Europäischen Union wie z.B. Belgien, die Niederlande oder Österreich ist AML schon seit drei Jahren erfolgreich im Einsatz. In Deutschland verhinderten bislang u.a. Datenschutz-Bedenken die Nutzung dieses Systems, wie Recherchen des Magazins „defacto“ vom Hessischen Rundfunk ergaben. Danach wurde das System schon 2017 geprüft, aber erst unlängst frei geschaltet.

Leitstelle dringend gesucht

Offensichtlich fand sich lange Zeit auch keine Leitstelle, die AML für Deutschland aufbauen wollte. In die Presche ist die Freiburger Rettungsleitstelle gesprungen. Sie sprach mit den Datenschützern und Mobilfunkunternehmen und stellte anschließend auch die Server für die AML-Technik zur Verfügung. Unterstützt werden die Freiburger durch Kollegen aus Berlin. Über beide laufen nun alle eingehenden Notrufe und werden dann bundesweit verteilt. Laut Cashys Blog können allerdings erst ein Drittel der rund 250 Leitstellen in Deutschland die Standortdaten verarbeiten. Die restlichen sollen jetzt nach und nach entsprechend ausgestattet werden.    

iPhone-Nutzern kann (noch) nicht geholfen werden

AML funktioniert auf allen Smartphones mit dem Android-Betriebssystem ab der Version 4.0. iPhone-Nutzer müssen hingegen noch warten. Die nötige Technik ist zwar ab iOS-Version 11.3 integriert, aber noch hapert es wohl am Zusammenspiel zwischen den iPhones und den Leitstellen. Auch hier hinkt Deutschland hinterher: In Ländern wie Großbritannien, Irland und Island sind auch iPhones schon längst AML-fähig. Bislang scheint auch unklar, wann iPhone-Besitzer per AML ihre Standortdaten automatisch übertragen lassen können. Eine Anfrage von inside-digital.de bei Apple blieb unbeantwortet. Seltsamerweise soll die Notruffunktion aber schon bei der Apple Watch funktionieren. Ein entsprechendes Leser-Video hatten die Kollegen von chip.de veröffentlicht.

Die „neue“ Technik wird hierzulande jetzt übrigens drei Jahre  getestet. Bis dahin sind die Server in Freiburg und Berlin für alle Leitstellen kostenlos nutzbar.  


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