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Netzklick

Wie schädlich sind Streamen und Mailen fürs Klima?

Strom fressen - Strom sparen

Erst schnell noch einen Film streamen, dann noch kurz ein paar E-Mails verschicken und in der WhatsApp-Gruppe das nächste Essen terminieren – für uns ist das normaler Online-Abend-Alltag. Kaum einer macht sich dabei Gedanken um den Stromverbrauch. Doch tatsächlich sind Streaming und die digitale Infrastruktur für unsere Kommunikation immense Stromfresser. Darauf hat am Wochenende Margrethe Vestager hingewiesen. In einem Interview mit der Funke Mediengruppe warnte die Vizepräsidentin der EU Kommission vor dem wachsenden Stromverbrauch durchs Netz und den Folgen für unser Klima. Gleichzeitig verwies sie aber auch darauf, dass ohne digitale Technologien der Kampf gegen den Klimawandel nicht gewonnen werden können.

Ein Gramm CO2 pro E-Mail

Allein die Server- und Rechenzentren in Deutschland brauchen rund 13,2 Milliarden Kilowattstunde Strom im Jahr. Das entspricht dem Jahresverbrauch von Berlin, wie das Borderstep-Institut für Innovation und Nachhaltigkeit errechnet hat. Der gigantische Stromverbrauch setzt sich dabei u.a. auch aus vielen kleinen Aktionen von uns zusammen. Eine Mail produziert beispielsweise beim Schreiben und Versenden ein Gramm Kohlenstoffdioxid. In Deutschland werden aber täglich rund eine Milliarde Mails versandt, das entspricht 1.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid, wie Ralph Hintermann, Energieforscher am Borderstep Institut, exemplarisch vorrechnet.

Streaming ist der größte digitale Stromfresser  

Eine Stunde Video schauen im Netz bei Full HD Auflösung kostet so viel Strom wie eine 30 Watt-Lampe braucht, die knapp über eine halbe Stunde brennt. Dabei fällt so viel CO2 an wie bei einem Kilometer Auto fahren. Das klingt zunächst mal überschaubar, aber auch hier macht es die Menge: Das amerikanische IT-Unternehmen Cisco hat für 2017 errechnet, dass nur fürs Streaming ein Datenvolumen von 1,5 Zettabyte (ein Zettabyte entspricht einer Milliarden Terabytes) durchs Netz gejagt wurde. Um das zu realisieren, brauchte es 200 Milliarden Kilowattstunden Strom. Kein Wunder, das Streamen so schon 60% des Stromverbrauchs im Netz verursacht – Tendenz steigend.

Von Nachhaltigkeit und Energieeffizienz

Die Website solar.lowtechmagazine.com ist etwas Besonderes. Sie läuft mit Sonnenkraft. Wenn die Sonne nicht ausreichend scheint, geht sie offline. Im Kleinen zeigt sie, was im Großen für die Rechenzentren vielerorts zunehmend überlegt wird - ein nachhaltiger Betrieb, der vorhandene Ressourcen nutzt. So arbeitet das TÜV Rechenzentrum in Hannover z.B. fast ausschließlich nur noch mit Freiluftkühlung. In Braunschweig wird die Abwärme eines Rechenzentrums zukünftig genutzt, um Wohnsiedlungen zu beheizen. Und in Norwegen wird ein Rechenzentrum gerade in einem Bergwerk errichtet. Das Kühlwasser liefert ein nahegelegener Fjord, den Strom ein benachbartes Wasserwerk.   

E-Mails löschen – Klima schützen

Das Wissenschaftsmagazin Galileo hat das Experiment gemacht: Es hat die Nutzer eines E-Mail-Dienstes aufgefordert, unnötige E-Mails zu löschen. Innerhalb von nur einer Stunde hatten daraufhin die rund 27.000 Mitarbeiter über 300.000 Mails gelöscht und damit 50 GB Festplattenkapazität frei geräumt. Nach Berechnungen im Film konnten so 1,7 Kilogramm CO2 eingespart werden.  

Nach Flugscham jetzt Klickscham?

Ähnlich wie beim Fliegen können wir auch also bei unserer Internet-Nutzung selbst sehr stark unseren Daten- bzw. Strom-Verbrauch bestimmen. Fünf Vorschläge für weniger Stromverbrauch durch bewussteres surfen, streamen und Co.:

  1. Filme häufiger auf DVDs schauen.
  2. Alte E-Mails löschen, E-Mail-Verteiler verkleinern, unnötige Newsletter abbestellen.
  3. Öfter mal offline gehen.
  4. Fotos und Videos nicht in der Cloud, sondern auf externen Festplatten o.ä. speichern.
  5. Bewusster googeln und anstelle des Internets auch einfach mal den Partner oder Freunde fragen.

Der wöchentliche Blick ins Web

Eine Person die eine Computertastertur mit Maus bedient

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