Sprengstofffund in Studentenbude

Herstellung von Sprengstoff mit Chemikalien
Herstellung von Sprengstoff mit Chemikalien

Am 13. August durchsuchte die Polizei die Kellerwohnung eines 20-jährigen Chemiestudenten in Paderborn-Sande. Der junge Mann selbst wurde nicht angetroffen, es wurden aber mehrere Liter an Chemikalien gefunden. Da die Zusammensetzung der Substanzen und deren Gefahrenpotential nicht genau eingeschätzt werden konnte, wurden Spezialisten des Landeskriminalamts aus Düsseldorf hinzugezogen. Die Experten meinen, dass der junge Mann aus den Stoffen offenbar einen hochexplosiven Sprengstoff hergestellt hatte.


"Ich bin ein normaler Chemiestudent."

Am 23. August, nachdem der Student tagelang spurlos verschwunden war, ruft er auf einmal in der Radio Hochstift-Redaktion an. Er lädt uns zu sich ein, will seine Sicht der Dinge erklären. Die Chance haben wir ihm gegeben.

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Mutmaßlicher Sprengstoff-Student meldet sich bei der Polizei

Ein Tag zuvor meldete er sich der Student bei der Paderborner Polizei. Der 20-Jährige erklärte auf der Wache, er sei im Urlaub gewesen. Weil die Polizei wegen des mutmaßlichen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt, hat er sich einen Anwalt genommen. Ansonsten sagte der Student nach Angaben der Polizei kaum etwas zur Sache. Anschließend konnte er gehen.


"Wir haben keinen Haftbefehl, gleichwohl würden wir gerne mit ihm sprechen"

Bevor sich der Sander bei der Polizei meldete, erklärte diese: Direkt nach ihm suchen würde sie nicht.

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Warum wurde nicht nach dem 20-Jährigen gefahndet?

Für einen Haftbefehl reichte das Gefundene offenbar nicht aus. Zudem meinten Polizei und Staatsanwaltschaft: Möglicherweise wusste der mutmaßliche Sprengstoff-Tüftler gar nichts von den Ermittlungen, das bestätigte dieser im Anschluss auch. Seit dem Wochenende um den 11. August (bis etwa eine Woche später) sei er nicht in Paderborn gewesen, die Durchsuchungen habe er also nicht mitbekommen und möglicherweise sei er während der Semesterferien aktuell auch im Urlaub gewesen. Auch das gab der Student im Anschluss an, als er nach seinem mutmaßlichen Urlaub zur Polizei ging. Deshalb ging die Paderborner Staatsanwaltschaft nicht davon aus, dass sich der 20-Jährige dem Verfahren entziehen wollte.


Hochexplosiven Sprengstoff hergestellt

Aus Sicherheitsgründen wurde im Anschluss an die Durchsuchung am 13. August eine kleine Menge nicht transportfähigen Materials in der Nähe des Hauses auf einer Freifläche am Boker Kanal gesprengt. Die Polizei sperrte den Bereich zuvor weiträumig ab und forderte Bewohner der angrenzenden Häuser auf, kurzfristig ihre Wohnungen zu verlassen. Feuerwehr, Notarzt und Rettungssanitäter wurden sicherheitshalber ebenfalls zum Einsatzort gerufen. Der verbliebene Sprengstoff wurde in einen nahegelegenen Steinbruch in Paderborn gebracht und am selben Abend in zwei Sprengungen durch die Experten aus Düsseldorf vernichtet.


"Es geht in die kriminelle Richtung, darüber bin ich enttäuscht."

Das sagte uns die Vermieterin des 20-jährigen Studenten, als er noch verschwunden war.

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Stand früher unter Verdacht: 20-Jähriger soll Serientäter gewesen sein

Der Chemiestudent konnte bis jetzt nicht ausfindig gemacht und zu den Funden befragt werden. Die Paderborner Polizei hofft weiter, dass der 20-Jährige sich bei den Ermittlern meldet und Stellung zu den Stoffen in seiner Wohnung nimmt. Es gibt allerdings weiter keine Hinweise darauf, dass er den Sprengstoff für eine konkrete bevorstehende Straftat nutzen wollte. Der 20-Jährige, der an der Universität in Paderborn studiert, stammt aus Witten und ist der Polizei bereits bekannt.

Nach Radio Hochstift-Exklusivinfos stand der Chemiestudent vor zwei Jahren im Verdacht, für eine Serie von Explosionen verantwortlich zu sein. Außerdem soll er eine Schusswaffe geklaut haben, weshalb auch die Polizei in Bochum gegen ihn ermittelt.


Weitere Durchsuchung, Ermittlungsverfahren eingeleitet

Am 14. August wurde außerdem die Wohnung eines mutmaßlichen Mittäters (17) aus dem Raum Büren, der aus dem Bekanntenkreis des Studenten stammt, durchsucht. Hierbei wurden keine weiteren Selbstlaborate, aber einige pyrotechnische Gegenstände gefunden.

Wie die Beamten dem 20-jährigen Chemiestudenten auf die Spur kam, ist unklar. Nach Radio Hochstift-Exklusivinformationen laufen entsprechende Ermittlungen bereits seit einem halben Jahr. Gegen ihn und den 17-Jährigen wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz eingeleitet.

Informationssperre?

Nach Radio Hochstift-Informationen sollen die Kommilitonen des Studenten eine schriftliche Bitte der Uni Paderborn bekommen haben, sich nicht zu dem Fall zu äußern und alle Medienanfragen an die Pressestelle der Uni weiterzuleiten. Der 20-Jährige soll allerdings ohnehin nicht viel mit seinen Studentenkollegen zu tun gehabt haben - er wird als Einzelgänger beschrieben.

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