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Verena Hagemeier
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Wie umweltfreundlich leben wir im Hochstift?

Wie viel CO2 wird im Hochstift eigentlich ausgestoßen? Wie haben sich die Temperaturen entwickelt in den Kreisen Paderborn und Höxter? Wie ist das mit dem Faktor Landwirtschaft, gerade bei uns, wo es davon viel gibt? Oder auch: Wie viel Müll schmeißen die Menschen bei uns im Hochstift eigentlich weg?

Radio Hochstift hat sich das alles für euch angeguckt. Eine Woche lang stellen wir das Hochstfit für euch auf den Prüfstand und fragen: Wie umweltfreundlich sind die Kreise Paderborn und Höxter eigentlich?



CO2-Ausstoß im Hochstift

Einer der Hauptfaktoren, die für den Klimawandel verantwortlich sein sollen, ist das Treibhausgas CO2. Aber wie viel wird bei uns eigentlich ausgestoßen und was können wir eigentlich tun, um dem Herausblasen von CO2 entgegenzu wirken? Wir haben uns die graue Theorie für euch angeguckt, das Wichtigste zusammengefasst und mit einem echten CO2-Vermeider unterhalten.


80 Kilometer mit dem Fahrrad pro Tag

Reden können wir alle viel: "Nee, ich kauf auch nix mit Plastik und Auto fahre ich ja auch kaum." Aber nicht viele setzen das auch in die Tat um. Deshalb sollten wir uns auch eine Scheibe von Konrad Schulte aus Delbrück abschneiden. Er fährt jeden Tag fast 80 Kilometer zur Arbeit - mit dem Rad:


Klimaschutz im Kreis Paderborn?

Es gibt für beide Kreise integrierte Klimaschutzkonzepte. Das des Kreises Paderborn ist aus dem Jahr 2011. Auf Radio Hochstift-Anfrage hieß es aber: Am 28.10. wird im Betriebsausschuss des A.V.E. Eigenbetriebs, am 30.10. im Ausschuss für Natur, Umwelt und Klimaschutz und am 4.11. im Kreis die Evaluierung der Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes vorgestellt. Das sei noch in Arbeit, aktuelle Zahlen werden dann veröffentlicht.

Viele Kommunen haben eigene Konzepte, in denen es auch um den CO2-Ausstoß der Verwaltungen und Liegenschaften geht. Das ist aber nicht in allen Städten und Gemeinden so. Altenbeken hatte mal einen Klimaschutzmanager, aus Kostengründen wurde die Stelle gestrichen. Ein eigenes Klimsschutzkonzept gibt es nicht, genauso wie in Bad Wünnenberg.

Bad Lippspringe hat ziemlich früh damit angefangen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. 2008 wurde im Rat einstimmig die Teilnahme am Wettbewerb „Klimakommune NRW“ beschlossen. Seit September 2011 gibt es dort ein Klimaschutzkonzept. Das hat die Stadt unter die Lupe genommen: Öffentliche Liegenschaften, private Haushalte, Handwerk, Gewerbe, Verkehr. Das alles diente als Grundlage, um zu schauen, was es für Schwachstellen in Sachen Klimaschutz gibt. Dabei kam heraus: Im Jahr 2009 lag der CO2-Ausstoß im Stadtgebiet Bad Lippspringe 23 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Es wurde das Ziel formuliert, bis zum Jahr 2020 die CO2-Emission um rund 20 Prozent weiter zu senken. Auf Radio Hochstift-Anfrage hieß es: Die vorgeschlagenen und beschlossenen Maßnahmen seien abgearbeitet. Hier wurden einst formulierte Ziele also offenbar erreicht.

In Borchen gibt es kein eigenes Klimaschutzkonzept, aber es wird durch die Windräder einiges für das Klima getan. Die Gemeinde unterstützt den Kreis Paderborn tatkräftig beim einst formulierten Ziel, bis zum kommenden Jahr die Stromversorgung des Kreisgebiets vollständig aus eigenen regenerativen Energien zu decken.

In Büren sieht es ähnlich aus wie in Bad Lippspringe. Auch dort hat man sich vor Jahren mal mit dem Thema beschäftigt. Danach kam nicht mehr ganz viel hinterher. Immerhin: Die Stadt Büren hat ein Teil-Klimakonzept für ausgewählte Liegenschaften. Das ist von 2012. Demnach stießen die Liegenschaften ca. 1.000 Tonnen CO2 pro Jahr aus. Es wurden umfangreiche Analysen gemacht, an einer Stelle heißt es allerdings: Um Klimaschutzmaßnahmen und Energieeinsparungen in den eigenen Liegenschaften zu realisieren, fehlten verlässliche Entscheidungsgrundlagen und transparente Steuerungsinstrumente. Für die Ermittlung und Erstellung der vorgenannten Grundlagen fehlen der Stadt Büren, als Kleinstadt mit einem schlanken Verwaltungsapparat, die personellen Kapazitäten im Bereich Umwelt/Gebäude/Energie. Die Stadt Büren sei hier auf externe Unterstützung angewiesen. So wird es wohl vielen Kommunen gehen.

Ein 10 Jahre altes Klimaschutzkonzept gibt es auch in der Gemeinde Hövelhof. Auch hier wurde analysiert, welche Emissionen von den Liegenschaften der Gemeinde Hövelhof ausgehen.

In Delbrück ist es so, dass Anfang des Jahres eine Klimaschutzmanagerin eingestellt wurde. Sie koordiniert die Klimaschutzarbeit der Gemeinde für drei Jahre und kümmert sich darum, dass die Umsetzung des integrierten Klimaschutzkonzeptes der Stadt Delbrück von 2015 unterstützt wird. Die Stelle wird zu 65 Prozent im Rahmen der Klimaschutzinitiative des Bundeministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert. 

Zwischen Oktober 2011 und November 2013 wurde das integrierte Klimaschutzkonzept für die Stadt Lichtenau erstellt, und zwar für die ganze Stadt. Der jährliche CO2-Ausstoß je Einwohner in der Stadt Lichtenau lag demnach im Zeitraum zwischen 2005 und 2011 etwa zwischen 5 und 6 Tonnen CO2 pro Jahr. Das liegt deutlich unter dem Landesschnitt. In dem Konzept heißt es: „Die Stadt Lichtenau setzt sich als Energiestadt das Ziel, bis zum Jahr 2020 den gewerblichen und privaten Energiebedarf zu 100 Prozent aus heimischen Energiequellen umzustellen.“ Das Ziel sei ambitioniert, es könne aber wegen des vorhandenen Anteils der Wind- und Solarenergie von einem guten Versorgungsgrad ausgegangen werden. Das sorgt auch ein entsprechendes Klimaschutzmanagements.

Paderborn ist sicherlich ein sehr prominentes Beispiel für die Klimaschutzarbeit im Hochstift. Die Stadt hat ebenfalls eine eigene Klimaschutzmanagerin. Außerdem gab es dort vor kurzem erst ein Update in Sachen Klimaschutz, das entsprechende Konzept wurde fortgeschrieben. Dem hatte der Rat im Juli einstimmig zugestimmt. Demnach lag 2018 die Gesamt-CO2-Emission städtischer Liegenschaften in Paderborn bei gut 31,2 Tonnen. Das große Ziel der Stadt lautet: CO2-Neutralität bis zum Jahr 2035. Um das zu erreichen, hat die Stadt eine Handvoll Maßnahmen formuliert. Zum Beispiel soll der Energieverbrauch gesenkt und die Energieeffizienz gesteigert werden. Regenerative Energieerzeugung soll ausgebaut und der Energieverbrauch  auf CO2-neutrale Träger umgestellt werden. 

Auch in Salzkotten gibt es ein eigenes Klimaschutzkonzept. Demnach lag der CO2-Ausstoß der Stadt Salzkotten pro Jahr und Einwohner bei etwa 8 Tonnen, also etwas unter dem Bundesdurchschnitt. Die Zahlen wurden 2013 erhoben. Ziel der Stadt Salzkotten war es mit dem Klimaschutzkonzept auch, Möglichkeiten und Potenziale aufzeigen, wie in den verschiedenen Sektoren (Kommune, private Haushalte, Wirtschaft und Verkehr) Energieverbräuche gesenkt und erneuerbare Energien genutzt werden können, um CO2-Emissionen zu vermeiden. Die Untersuchungen zeigen, dass in Salzkotten vor allem die privaten Haushalte, der Verkehr und die Industrie für die CO2-Emissionen dort verantwortlich sind.

 


Klimaschutz im Kreis Höxter?

Wie der Kreis Paderborn, hat auch der Kreis Höxter ein Klimaschutzkonzept. In diesem integriert sind auch die Städte Marienmünster, Warburg und Nieheim. Demnach lagen zum Beispiel in letzterer die Treibhausgasemissionen einmal bei gut 38 Tonnen. Pro Einwohner entstand ein Wert von 6,2 Tonnen. Die Datenbasis stammt allerdings aus dem Jahr 2015. Auf Kreisebene kamen folgende Werte zusammen: Jeder Einwohner im Kreis Höxter stieß pro Jahr 7 Tonnen CO2 aus. Zum Vergleich: NRW-weit waren es gut 15 Tonnen. Wie häufig sind das Modellrechnungen zum Beispiel auf Basis von zugelassenen Fahrzeugen im Kreis, Industrie oder auch Landwirtschaft. Sie unterliegen auch einer gewissen Laufzeit, die Ende 2019 abläuft. Daher sollen sie schon bald aufgefrischt werden. Neben der Tatsache, dass der Kreis Höxter eine eigene Klimaschutzmanagerin hat, tut er auch ansonsten einiges in Sachen Klimaschutz, zum Beispiel mit Projekten in denen es um Mehrwegpfandbecher geht.

Aber auch auf Kommunenebene gibt es eigene Pläne. In Bad Driburg gibt es zum Beispiel auch eine „Klimaschutzbeauftragte“ und ein Klimaschutzkonzept. Wobei auch das wieder auf Daten aus dem Jahr 2013 beruht. Demnach stoßen die Bad Driburger pro Kopf knapp 9 Tonnen CO2 pro Jahr aus. Um 30 Prozent soll das bis zum Jahr 2025 gesenkt werden. Die Stadt spricht auf ihrer Homepage zum Klimaschutz auch ihre Bürger an: Ohne sie wäre eine erfolgreiche Umsetzung der Klimaschutzmaßnahmen und damit auch die Reduzierung der klimaschädlichen Emissionen nur schwer möglich sein. Bad Driburg hofft also auf eine entsprechende Unterstützung aus der Bevölkerung.

Auch die Stadt Beverungen plant ein Klimaschutzkonzept. Bei Plänen ist es aber offenbar vorerst geblieben.

In Borgentreich ist man da etwas detaillierter aufgestellt. In der Orgelstadt gibt es seit 2017 ein integriertes Klimaschutzkonzept. Auch hier sind die zugrunde liegenden Daten schon etwas älter – aus dem Jahr 2014. In dem Bilanzjahr sind gut 70 Tonnen CO2 in Borgentreich ausgestoßen worden. Der größte Anteil mit 53 Prozent fällt auf den Sektor Verkehr. Wirtschaft liegt mit 30 Prozent auf dem zweiten Platz. Auf den Sektor Haushalte fallen 16 Prozent der CO2-Emissionen. Pro Einwohner wurden gut 7 Tonnen ausgestoßen.

Ähnlich wie Bad Driburg hat auch die Stadt Brakel hat einen Klimaschutzbeauftragen und ein eigenes, mittlerweile neun Jahre altes Konzept. Seit rund 15 Jahren betreibt sie nach eigenen Angaben konsequent Maßnahmen, die Energieeinsparungen erzielen sollen. Dafür bekam die Stadt kürzlich zum vierten Mal den European Energie Award (eea) in Gold. Auch, wenn das Konzept auf älteren Zahlen beruht. Immerhin konnte man damals einen positiven Trend in Sachen CO2-Emission feststellen: Auf die Einwohner bezogen sind die Emissionen seit 2005 um etwa drei Prozent auf 10,04 Tonnen in 2008 gefallen.

Von Dezember 2014 ist das Klimaschutzkonzept der Stadt Höxter, die Daten dafür basieren auf dem Jahr 2012. Damals stieß jeder Einwohner in dem Jahr 8,7 Tonnen CO2 aus. Vergleichbar mit bundesweiten Zahlen ist das allerdings nicht, weil in Höxter keine Großemittenten mit eingerechnet wurden, was auf Bundesebene passiert.

Die Stadt Steinheim hat 2013 ein eigenes Klimaschutzkonzept vorgelegt. Alle Akteure sollten damit für das Thema Klimaschutz sensibilisiert werden, Ziele der Bundesregierung sollten auf lokaler Ebene unterstützt werden. Damals wurde ermittelt, dass die Steinheimer im Jahr 2010 pro Kopf 9,4 Tonnen CO2 ausstießen. Bis 2030 will man diese Menge um 30 Prozent senken.

Die Stadt Willebadessen kann seit 2017 ein eigenes Klimaschutzkonzept vorweisen. Im Bilanzjahr 2014 sind knapp 53 Tonnen CO2 im Stadtgebiet ausgestoßen worden. Der größte Anteil mit 54 Prozent fiel auf den Sektor Verkehr. Es folgte die Haushalte mit 29 Prozent. Jeder Willebadessener stieß in 2014 6,4 Tonnen CO2 aus.


Klimaneutral ernähren im Hochstift?

Lebensmittel im Supermarkt sind alle abgepackt und kommen vom anderen Ende der Welt und aufm Wochenmarkt gibt’s nur Biogemüse von hier. Das ist überspitzt gesagt die Erwartungshaltung manchmal, aber sowohl das eine als auch das andere stimmt so nur bedingt. Auch im Supermarkt gibt’s inzwischen Lebensmittel aus der Region, auch aufm Wochenmarkt wird zugekauft. Denn: Die Bio-Zitrone wächst hier im Winter nunmal schlecht, sagt auch die Paderborner Marktbeschickerin Beate Rodenbröker. Sie achtet seit jeher auf nachhaltige Landwirtschaft, hat sich aber bewusst gegen "bio" entschieden. Warum hört ihr hier unten. Ebenfalls ein Thema: Der Landwirt Jasper de Wit aus Höxter-Godelheim. Er pfeift zum Beispiel auf die Wünsche mancher Leute. Bei ihm gibt es nur das, was die Saison und unsere Region eben zu bieten haben und zwar in regenerativer Landwirtschaft:


Wie viele Kilometer liegen in meinem Einkaufswagen?

Herbstzeit, das heißt es ist Kürbissaison. Und Maronen gibt’s und Äpfel natürlich. Wenn wir jetzt einkaufen gehen, dann kaufen wir aber meistens nicht nur saisonale Produkte, man hat ja auch mal Lust auf Bananen oder eine Ananas. Und die wachsen nun mal nicht vor der Haustür. Wir wollen deshalb wissen: Wie viele Kilometer liegen eigentlich in unserem Einkaufswagen? Wir haben für euch den Test gemacht und einmal zusammengerechnet. So viele Kilometer steckten in unserem Supermarkt-Einkauf:

  • Zitrone: 2.000 Kilometer
  • Apfel: 18.500 Kilometer
  • Banane: 10.000 Kilometer
  • Ananas: 9.200 Kilometer
  • Paprika: 260 Kilometer
  • Kopfsalat: 80 Kilometer
  • Kaffee: 8.100 Kilometer
  • Joghurt: 580 Kilometer
  • Milch: 260 Kilometer
  • Schokolade: 7.800 Kilometer

Endsumme: 56.780 Kilometer haben 10 Dinge in unserem Einkaufswagen auf dem Buckel

Das haut ordentlich ins Klima-Karma-Konto. Auch hier kommen wir zum Fazit: Besser vor dem Einkauf schauen, wo die Produkte herkommen und auf die Saison könnten wir auch achten. Im Herbst ist beispielsweise Apfelsaison - da wäre es super, das Obst regional zu kaufen. Aber regional ist nicht immer besser, sagt zum Beispiel Michael Welling vom Forschungsinstitut Thünen.

Regional ist nicht immer besser

Er meint: Im April oder im Mai haben wir keine heimischen Äpfel zur Verfügung. Heimische Äpfel werden in der Zeit durchaus energieaufwändig über das Jahr gehalten. Dann kann es tatsächlich besser sein, einen Apfel aus der Südhalbkugel zu kaufen. Heißt noch einmal zusammengefasst: Auf die Region und auf die Saison gucken. Es gibt dabei auch Hilfen, zum Beispiel mit einem Saisonkalender. Gut wäre in jedem Fall, sich den Kilometerstand bewusst zu machen. Denn: fast 57.000 Kilometer im Einkaufswagen für nur 10 Dinge – davon kann man mehr als einmal um die Welt fliegen.
 

Feierabendmärkte

In Warburg gibt es zudem Feierabendmärkte. Dieses Jahr fanden sie im Mai, Juli und September statt und werden von der Bürgerinitiative „Lebenswertes Bördeland und Diemeltal“ ausgerichtet.

Zum einen bieten die Märkte Einkaufsmöglichkeiten für berufstätige Menschen, die zu normalen Wochenmarkt-Öffnungszeiten nicht auf den Markt können. Zum anderen werden dort aber auch viele Infos und Ratschläge zum umweltfreundlichen Handeln im Alltag vermittelt.

Außerdem werden hauptsächlich regionale, saisonale Produkte angeboten (Ausnahme: fair gehandelte Produkte) und für den Direktverzehr ist ein Geschirrmobil im Einsatz, damit Müll vermieden wird.

Auch im kommenden Jahr werden in den Sommermonaten Feierabendmärkte in Warburg stattfinden. Das Projekt soll auf Brakel und Beverungen ausgeweitet werden.


Es wird heißer - Klimawandel im Hochstift?

Das mit dem Klimawandel stimmt doch gar nicht,  Schwankungen bei den Temperaturen hat es immer gegeben. Es gibt durchaus prominente Vertreter dieser Meinung. Wir haben uns allerdings die Zahlen aus dem Hochstift angesehen und da sieht man eine Entwicklung.

Der Deutsche Wetterdienst hat eine Station in Bad Lippspringe, und eine in Warburg. Besonders in Bad Lippspringe sieht man sehr deutlich, dass sich der Jahresmittelwert der Temperatur seit 1972 stetig nach oben entwickelt hat. Er bewegte sich nämlich immer zwischen 8 und 10 Grad – bis 1988. 1989 ging es erstmals über 10 Grad. Seit 1997 sank der Wert, bis auf einen Ausreißer, nie mehr unter 9. 2014 war dann auch das erste Jahr mit einem Jahresmittelwert von 11 Grad. Letztes Jahr haben wir den getoppt – da war es noch wärmer. In Warburg bestätigt sich der Trend.

Bei den Maximalwerten der Jahre ist es das Gleiche: 1977 zum Beispiel war es im ganzen Jahr nicht einen einzigen Tag heißer als 28,4 Grad. Während wir dann 2015 schon 37,9 Grad maximal hatten, und das haben wir ja diesen Sommer auch nochmal erreicht an der Messstation in Bad Lippspringe. Auch die Zahl der Sonnenstunden insgesamt steigt stetig an – in Warburg zum Beispiel von knapp 1.500 Stunden im Jahr 2010 auf fast 2.000 letztes Jahr.

Einzelphänomene sind das nicht, das zeigt auch die Anzahl der Hitzetage. Das sind die Tage, an denen es über 35 Grad sind. Bis ins Jahr 1988 gab es nämlich in Bad Lippspringe auch immer mal wieder Null Hitzetage. Seitdem nicht mehr – momentan entwickeln wir uns da sogar Richtung 15 bis 20 Hitzetage im Jahr.

Kurz gefasst:

  • Höchste Temperatur 1977: 28,4 Grad
  • Höchste Temperatur 2018: 37,9 Grad
  • Jahresmittelwert der Temperatur: Bis 1988 zwischen 8 und 10 Grad
  • Jahresmittelwert der Temperatur: 2014 lag er bei 11 Grad
  • Hitzetage mit Werten über 35 Grad: Bis 1988 immer mal wieder Null Tage
  • Hitzetage mit Werten über 35 Grad. Aktuell bewegen wir uns Richtung 15 bis 20 Tage im Jahr


Hier eine ebenfalls interessante Übersicht des Deutschen Wetterdienstes, Messwerte von der Station in Bad Lippspringe:

Macht die Landwirtschaft unser Klima kaputt? Dieser Bauer fordert: "Schafft uns nicht ab!"


Tobias Heimann ist 36 Jahre alt, hat Frau und Kind und ist der Chef eines großen Bauernhofes in Borchen-Dörenhagen. Seit 1882 gibt es den „Imbsenhof“ schon – Tobias Heimann ist die sechste Generation, die auf dem Hof arbeitet. Der Diplomagraringenieur hat vor allem Schweine, manchmal bis zu 6.000 Tiere, bestellt aber auch seine Äcker mit Getreide. Es belastet ihn, dass zurzeit viele in Sachen Umweltschutz mit dem Finger auf die Landwirte zeigen. Oft hört und liest man Aussagen wie „Die sind doch Schuld am Klimawandel! Die machen unsere Böden kaputt und halten viel zu viele Tiere!“. Er hat von Kollegen auch schon gehört, dass sie ihren Job an den Nagel hängen wollen, weil sie mit dieser Situation nicht mehr klar kommen. Und das obwohl Landwirte 24 Stunden jeden Tag der Woche arbeiten. Er gibt zu, dass er als Bauer Emissionen produziert, aber aus seiner Sicht sorgen der Dörenhagener und seine Kollegen schließlich auch für die Verpflegung der Bevölkerung. Außerdem werde nie darüber gesprochen, was die Landwirte alles FÜR die Umwelt tun. Auf den Dächern der Ställe gebe es Photovoltaikanlagen, auf den Äckern stünden Windräder und Biogasanlagen gehörten zum Alltag. Hinzu kommt, dass Tobias Heimann schon sehr lange ohne Pflug arbeitet. Damit schont er das Erdreich, die Tiere und beugt Bodenerosion vor.

Der Landwirt fordert: „Schafft uns nicht ab!“.


Zur Wahrheit gehört auch: Tatsächlich trägt die Landwirtschaft erheblich zu Treibhausgas-Emissionen bei

Im April 2019 hat das Bundesumweltamt entsprechende Untersuchungsergebnisse veröffentlicht. Bis zu einem Drittel der Treibhausgase weltweit stammen demnach aus der Landwirtschaft. Dafür verantwortlich sind vor allem Methan-Emissionen aus der Tierhaltung, das Ausbringen von Wirtschaftsdünger (Gülle, Festmist) und Lachgas-Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden als Folge der Stickstoffdüngung (mineralisch und organisch). Im Jahr 2017 war die deutsche Landwirtschaft somit insgesamt für 66,3 Millionen Tonnen (Mio. Tonnen) Kohlendioxid (CO2)-Äquivalente verantwortlich. Das Bundesamt hat auch eine Prognose für das Jahr 2018 vorgelegt: Sie schätzt die Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft für das Jahr 2018 auf 63,6 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente.

Ziele für die Zukunft

Im Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung wurde festgelegt, dass der Landwirtschaftssektor im Jahr 2030 noch höchstens 58-61 Mio. Tonnen CO2/Jahr emittieren darf.


Bauernproteste auch im Hochstift

In zahlreichen Städten in ganz Deutschland machten die Landwirte am Dienstag, den 22.10.2019, mobil. Sie demonstrierten gegen die Umwelt- und Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung.

Besseres Tierwohl, mehr Insektenschutz und Geld für Bauern, die sich für die Natur einsetzen. Das sind grob die Ziele des Agrarpakets der Bundesregierung und die hören sich erstmal sinnvoll an. Aber so richtig zufrieden ist keine Seite mit den geplanten Maßnahmen. Umweltschützern geht das Paket nicht weit genug. Die Landwirte dagegen fühlen sich hintergangen und gingen deswegen heute bundesweit auf die Straßen. In NRW wollen Bauern auf ihren Treckern nach Bonn fahren, um dort zu protestieren. Es wird befürchtet, dass das Paket vor allem den kleineren Familien-Betrieben zum Verhängnis werden kann.

Entsprechend haben die Bauern protestiert, zum Beispiel gegen den Plan, das Düngerecht einzuschränken. Das will man machen, weil das Grundwasser in einigen Regionen Deutschlands mit zu viel Nitrat belastet sein soll.

Das Problem: Die EU-Kommission hatte die Bundesregierung Ende Juli ermahnt, mehr gegen die Verunreinigung des Grundwassers mit Nitrat zu unternehmen. Sonst drohen Geldstrafen in Millionenhöhe.

Auch in Paderborn waren bis zu 300 Traktoren unterwegs. Auf Plakaten standen Sätze wie „Bauerntod bringt Nahrungsnot“.


Müllfrei im Hochstift

Ein bisschen auf Plastikverpackung verzichtet und schon reduzierte sich die Zahl der gelben Säcke von fünf im Monat zu einem einzigen - und das bei einer Großfamilie. So erging es der Paderbornerin Verena Möller, die sich schon vor Jahren, weit bevor das Thema Zero Waste aktuell wurde, damit beschäftigte. 

Ebenso wie Julia Ritter-Neumann, die vor einigen Jahren ein freiwilliges soziales Jahr in Südamerika absolvierte. Dort sah sie auf schockierende Weise, wie viel Müll der Mensch produziert. Denn dort war er auf der Straße sichtbar, in Deutschland wird er ja immer direkt weggeräumt.

Beide vereint, dass sie das Ziel, verpackungsfrei zu leben, nicht um jeden Preis verfolgen. Ihre Devise: Klein anfangen. Dann geht man irgendwann ganz von allein den richtigen Weg - im Sinne der Umwelt.


Amélie geht Zero Waste - der Podcast

Übrigens: Wer den Einstieg ins verpackungsfreie Leben sucht oder einfach Infos dazu haben möchte, der sollte hier mal reinhören: Amélie geht Zero Waste. Amélie ist Online-Redakteurin in Bielefeld, unter anderem für Radio Hochstift, und beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Zero Waste. In ihrem Podcast spricht sie mit ihren Interviewpartnern unterschiedlichste Aspekte dieses Themas an.


Müll entsorgen im Hochstift

Ihr geht am Wochenende spazieren? Dann nehmt einen Beutel mit, sammelt den blöden Müll auf, macht ein Foto oder Video und postet es in eure Insta-Story. Taggt @radiohochstift und wir teilen eure Story.

Zusammen machen wir das Hochstift sauber!

Macht's einfach so, wie Charlotte Roche. Die Moderatorin und Autorin macht seit Jahren Plogging, also Müll aufheben beim Jogging - ein Trend aus Schweden. Sie hat den Radio Hochstift-Frühmoderatorinnen Dania Tölle und Sinah Donhauser einen kleinen Gruß geschickt und den Hörern in den Kreisen Paderborn und Höxter einen guten Tipp gegeben:


Am besten ist natürlich der Müll, der gar nicht entsteht.

Oft lässt es sich allerdings nicht vermeiden. Mythen wie "Mülltrennung lohnt sich doch überhaupt nicht" kursieren weiterhin. Das stimmt so aber nicht - je mehr wir selber vorsortieren, desto besser ist es. Unser Müll aus der Biotonne wird beispielsweise kompostiert und so weiterverwendet oder er wird verbrannt und damit zur Stromerzeugung genutzt.

Restmüll aus dem Kreis Paderborn wird zum Teil tatsächlich verbrannt. Dafür landet er aber nicht in Malaysia, sondern in der Müllverbrennungsanlage in Bielefeld. Dort wird die entstandene Energie für Strom und Fernwärme genutzt. Weitere Teile des Restmülls werden zu Ersatzbrennstoffen für Zement- und Kraftwerksbetriebe verarbeitet. Fun Fact am Rande: Das entstandene Material wird "Fluff" genannt. Genauere Infos zu Rest- und Biomüll im Kreis Paderborn gibt es hier.

Grünschnitt wird beim AVE an der Alten Schanze in Paderborn zu Kompost verarbeitet und von dort aus verkauft.

Geht es um Plastikmüll ist das Ganze etwas komplexer: Die Wertstofftonne aller Kommunen im Kreis Paderborn wird von der Firma Stratmann eingesammelt und umgeschlagen. Von dort aus kommt der Abfall in Sortierungsanlagen, unter anderem in den Kreis Warendorf. Konkrete Recyclingquoten lassen sich daher nicht ermitteln.

Wie viel schmeißen wir eigentlich weg?

Mitte 2019 veröffentliche der Abfallverwertungs- und Entsorgungsbetrieb des Kreises Paderborn folgende Bilanz der vorangegangenen Jahres: "Die Mengen der Wertstofftonne steigen erneut deutlich. Auch im dritten Jahr nach ihrer kreisweiten Einführung ist ein weiterer Anstieg der Kunststoff- und Metallabfälle um 6,5 Prozent zum Vorjahr auf knapp 10.900 Gewichtstonnen (t) zu verzeichnen. Hingegen sind die Bioabfälle infolge des lang anhaltenden Trockensommers um 1.330 t auf knapp 35.100 t gefallen. Der niedrigste Wert seit fünf Jahren. Aber auch bei der Entsorgung kommunaler Klärschläm- me hat der A.V.E. im vergangenen Jahr helfen können." 

Wertstoffmengen steigen - Grund: Der Konsum

Gründe für den Mehranstieg bei der Wertstofftonne sieht A.V.E.-Betriebsleiter Martin Hübner vor allem in dem anhaltend hohen Konsumverhalten der Verbraucher. „Das ist im Kreis Paderborn nicht anders wie in den anderen Regionen Deutschlands“, so Hübner. „Mit 220 Kilogramm pro Kopf und Jahr hat Deutschland das höchste Verpackungsaufkommen an Kunststoff/Metall, Papier/Pappe und Glas. 20 Prozent mehr als der Durchschnitt innerhalb der Europäischen Union. Das schlägt sich dann unter anderem auch im Ergebnis der Wertstofftonne nieder.“

Abgesehen vom Plastikmüll ist auch die Betrachtung des Restmülls interessant. Dabei fällt zum einen auf, dass das Restmüllaufkommen pro Einwohner pro Jahr im Kreis Paderborn deutlich höher ist als im Kreis Höxter. Außerdem ist dort durchaus eine Entwicklung festzustellen (Restabfallmengen in kg pro Jahr und Einwohner):

Jahr/Kreis      Paderborn      Höxter
2012      129      84
2013      130      87
2014      131      90
2015      132      88
2016      126      90
2017      128      90
2018      128      91

 

Besuch auf dem Recyclinghof

Schon mal auf einem Recyclinghof gewesen? Wenn, dann sicherlich nur, um ein bisschen Sperrmüll in die großen Container zu schmeißen. Wir waren beim A.V.E in Paderborn und haben uns angeschaut, wie es auf dem Gelände aussieht.