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Dania Tölle
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Wir sprechen über Geld

Es ist so: Jeder hat diesen einen Kumpel oder die eine Kumpeline im Freundeskreis, der oder die beim Thema „Geld“ immer ganz still wird. So als ob die sich denken: Da ist nur EIN Stück Kuchen und wenn ich jetzt sage, wie viel ich spare oder was ich auf der hohen Kante hab, dann nehmen mir andere was weg. Watn Quatsch! Wir reden übers Geld bei Radio Hochstift!

Wir kauen uns zusammen durch das Thema Altersvorsorge. Wie klappt’s auch als Geringverdiener und wann starte ich am besten? Antwort: So früh, wie’s geht! Wir haben mit Cederic, Annalena und Patrick gesprochen. Alle um die 29-30 Jahre, alle aus Paderborn.

Eigentlich sollten wir uns darüber viel öfter austauschen: Geld und Altersvorsorge. Die Themen sind nicht besonders sexy, aber leider richtig wichtig. Viele schrecken vor dem Thema zurück, á la: Das ist mir zu kompliziert:

Also ich fang erstmal grundsätzlich damit an, dass ich Reserven bilde. So zwei, drei Monatsgehälter sollte ich auf einem Tagesgeldkonto haben, damit ich nicht, wenn irgendwas kaputt geht, einen Kleinkredit brauche. Also: Reserven bilden, damit ich in der Not etwas zur Verfügung habe.

Das sagt Jürgen Hartung von der Paderborner Verbraucherzentrale. Er meint auch: Klar, gibt es die Fälle von Alleinerziehenden, die jeden Cent umdrehen müssen. Aber fast immer gibt es Lösungen, die man finden kann, wenn ihr euch einfach mal von unabhängigen Leuten wie bei der Verbraucherzentrale beraten lasst. Und ganz oft glaubt man auch nur, nix sparen zu können. So wie man nie Zeit für Sport hat. Was dann?

Vielleicht wirklich mal sich selbst dazu "verpflichten", einen Sparplan zu beginnen, wo man wirklich jeden Monat kontinuierlich eine gewisse Summe vom Konto wegzieht und erst gar nicht sieht.

Das kann erstmal ein Dauerauftrag vom Girokonto auf ein Tagesgeldkonto sein über eine für sich selbst machbare Summe x oder ein monatlicher Sparplan, bei dem man alle vier Wochen in einen Aktienindex investiert. Und wenn ihr jetzt sagt: Die 25 oder 50 Kröten im Monat – das bringt nix, die zu sparen:

Wenn ich das dann sein lasse, nur weil ich glaube, 50 Euro im Monat sind nicht viel - in zehn Jahren sind das auch 6.000 Euro.

So! Allerdings sagt er auch: Es gibt keinen Allzweck-Plan und es kommt immer auf die eigene Situation an. Er rät allerdings vor allem jungen Leuten davon ab, sich an lange Verträge wie die Rürup-Rente zu binden:

Diese Produkte kann man nicht vor Rentenbeginn wieder kündigen. Das heißt, man kommt an sein Geld erst zum Rentenbeginn wieder heran. Will man das wirklich? Und will man die Förderung dabei entsprechend mitnehmen? Weil wer eine Förderung bekommt, muss hinterher auf seine Rente auch Steuern zahlen.

Es gibt immer Kleingedrucktes, deshalb machen sich wahrscheinlich vor allem jüngere Leute auch selten einen Kopf um Sparen und Altersvorsorge. Obwohl das nicht kompliziert sein muss.

Altersvorsorge - ist nicht so kompliziert wie es scheint

Jürgen Hartung

Das Thema mit den langfristigen Verträgen ist aber auf jeden Fall eines, dass eben diese jüngeren Leute auf dem Schirm haben sollten, meint Jürgen Hartung von der Paderborner Verbraucherzentrale.

Wenn man mit 20 Jahren Verträge abschließt, die bis zum 67. Lebensjahr laufen, das sind 47 Jahre, bei denen ich mich binden würde, das Geld dort nicht wieder rauszukriegen aus diesen Verträgen. Das ist für Berufsstarter Unsinn.

Wir haben Hartung auch gefragt: Ab wann sollte man sich denn so langsam Gedanken um Altersvorsorge machen?

Sobald man weiß, was man eigentlich in seinem Leben plant, ist man schon so festgesetzt in seinem Beruf, dass man sagt: Ich bleibe auch hier. Dass man nicht ständig von Arbeitgeber zu Arbeitgeber wechselt. Dass man dann sich Gedanken machen sollte: Wie pack ich das an?

Schön und gut, aber: Wenn wir ehrlich sind, gibt es diese Zeiten gar nicht mehr. Dass man mit 20 eine Ausbildung startet und bis zur Rente in dem Job und bei dem einen Arbeitgeber bleibt. Wir haben 1.000 Möglichkeiten, was wir mit unserem Leben machen können und das macht’s ja auch schön. Was dann?

Jeden Monat schauen, ob ich was übrig habe, es auf ein Tagesgeldkonto einzahlen oder monatlich oder sukzessive in Investment-Fonds investieren, wenn ich einen langfristigen Anlagehorizont von zehn bis 15 Jahren habe. Das ist es dann erstmal.

Und noch kleiner Tipp am Rande:

Viele wissen ja auch nicht, dass man trotzdem, gerade bei Selbstständigen, aber auch bei Angestellten, zusätzliche Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung leisten kann. Und das ist im Moment aufgrund der niedrigen Zinsen gar nicht mal so unattraktiv.

Was ostwestfälisch ist und so viel heißt wie: Voll die gute Sache!

 

Wie wäre es mit Aktien? Eine Möglichkeit - auch für Geringverdiener

Fakt ist: Ohne Geldsorgen im Nacken, wacht man irgendwie entspannter auf. Eine Möglichkeit, um da ein bisschen was anzuhäufen, können sogenannte ETFs sein:

Weil man sich erstens nicht um die Auswahl der einzelnen Fonds, von welcher Bank kaufe ich den Fond, Gedanken machen muss. Und weil man da sehr kostengünstig, mit niedrigen Verwaltungskosten und mit niedrigen Kaufkosten an den Markt gehen kann.

Heißt: ich eröffne ein Depot an meiner Bank und eröffne dort einen ETF-Sparplan, sage also so und so viel möchte ich monatlich investieren in Exchange Traded Funds. Ihr investiert in einen Index, also nicht in ein einzelnes Unternehmen. Ihr streut das Risiko. Hartung meint: Ihr braucht euch dabei auch nicht von Krisen verunsichern lassen:

Man sollte einen monatlichen Sparplan, den man beginnt, einfach durchhalten. Auch, wenn es jetzt, so wie am Anfang des Jahres, coronabedingt richtig in den Keller gegangen ist mit den Aktien. Es hat sich ja dann im Laufe des Jahres vielleicht nicht komplett erholt, aber es ist schon wieder sehr stark in die Gegenbewegung gegangen.

Und es gibt sogar, wenn’s gut läuft noch einen Vorteil von solchen Krisen: Beim MSCI-World sind beispielsweise 1.600 Aktienunternehmen drin und zu den fettesten gehören super viele Tech-Unternehmen, die ja total von der Krise profitiert haben. Und:

Wer über einen langen Zeitraum monatlich anspart, der profitiert ja sogar, wenn die Kurse fallen, weil er ja dann günstiger einkauft.

Hartung sagt: Wichtig ist, dass ihr euch zumindest ein bisschen Wissen vorher holt, bevor ihr zur Bank etc. geht. Zum Beispiel könnt ihr euch bei der Paderborner Verbraucherzentrale unabhängig beraten lassen. Und: Auch als junger Mensch kann ich hier mit 25 Euro im Monat schon was erreichen.

Über einen längeren Zeitraum von zum Beispiel 20 oder 25 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit wirklich sehr hoch, dass man mit einer Fond-Anlage, gerade mit Index-Fonds auch durch die kostengünstige Geldanlage dort ein gutes Ergebnis erzielt.

Na bitte.

 

Immobilien - etwas für die mit dem Pölsterchen

Wir haben nun also schon über Berufseinsteiger und Geringverdiener gesprochen. Aber was ist mit denen, die schon ein kleines Pölsterchen haben? Die könnten es mit einer Immobilienanlage versuchen: Man sagt ja: 20 bis 25 Prozent Eigenkapital sollte ich schon mitbringen.

Also im Grunde genommen muss man erstmal sagen, wenn ich eine Immobilie erwerbe, dann sollte ich natürlich möglichst viel Eigenkapital haben. Das ist klar. Das bedeutet aber nicht, dass jemand, der vielleicht nur 10 Prozent Eigenkapital hat, dass der es überhaupt nicht finanzieren kann. Es kommt natürlich auch immer auf die monatliche Rate an, die man tragen kann.

Bin ich beispielsweise Berufseinsteiger, hab nicht viel auf der hohen Kante, trete aber einen Job an, bei dem ich glücklicherweise viel verdiene, dann kann ich ja monatlich auch mehr bezahlen. Das geht also schon. Wichtig sind zwei Fragen: wie viel kann ich monatlich über Jahre hinweg aufbringen zusätzlich zur eigenen Sparrate und:

Wann möchte ich entschuldet sein? Denn ich sehe bei den Bankangeboten, die die Verbraucher uns teilweise zu den Immobilienfinanzierungen mitbringen, dass dort Laufzeiten drinstehen von 40 oder 45 Jahren. Und die Leute sind vielleicht schon 40. Und dann sage ich denen: Wenn Sie fertig sind, sind Sie ja 80!

Tja und dann ist die Bude zwar endlich abbezahlt, aber fürs Leben bleibt dann nicht viel übrig. Aber: Jetzt wird’s richtig fies: Wer super viel Kohle auf der hohen Kante hat und sich denkt: Ich will keine Schulden, ich nehm das alles und bezahl damit ein Haus. Das ist auch nicht soooo schlau: so ganz ohne Reserven.

Dann geht das Auto kaputt, dann geht die Waschmaschine kaputt, dann muss man vielleicht im schlimmsten Fall einen Ratenkredit aufnehmen, mit drei oder vier Prozent Zinsen. Während man eine Immobilie finanzieren könnte, wo man ja viel günstigere Zinsen kriegen würde. So steckt man aber sein ganzes Eigenkapital in die Immobilie und muss man dann einen anderen Kredit aufnehmen. Das macht keinen Sinn.

Was Sinn ergibt, kann euch zum Beispiel bei Interesse ein unabhängiger Berater von der Verbraucherzentrale erklären.


Frauen könnten jetzt mit den Augen: Warum ist das bitte immer noch ein Thema. Tja, weil es leider eben immer noch ein Thema ist. Laut Bundesfamilienministerium liegt die Entgeltliche zwischen Frauen und Männern immer noch bei 20 Prozent. Selbst bei gleicher formaler Qualifikation und ansonsten gleichen Merkmalen sind’s immer noch sechs Prozent. Warum ist das so? Klar, können wir jetzt mit dem Finger auf die Männer zeigen und auf die, die Bilder zeichnen. Christina Schlag schreibt auf Twitter zum Beispiel zurecht:

Und das Format cosmo_ard schreibt ironisch treffend darunter: "Toll, wenn Männer Familie und Beruf unter einen Hut kriegen."

Ja, das ist auch dumm. Aber meckern wird das nicht ändern. Nur wir Frauen können das ändern. Dazu ein paar kluge Worte von Carolin Kebekus:

So! Es braucht Vorbilder (zur Einordnung: Diese Worte hier werden von einer Frau geschrieben, die das zu 100 Prozent unterschreibt. Drei Mal. In unterschiedlichen Farben) "Aktien und Wertpapiere halten aktuell nur 9,5 Prozent der Frauen in Deutschland in ihrem Portfolio. Das sind fast 12 Prozent weniger als bei den Männern." So steht’s auf dem Blog von Madame Moneypenny, eine Frau, die sich auf Finanzcoaching vor allem für Frauen spezialisiert hat. Ein echtes Vorbild.

Vernetzen, auch im Job, nicht nur bei WhatsApp, Ellenbogen einziehen, gegenseitig hochdrücken und:

Sie macht Deals in Millionenhöhe - und hat fast nur mit Männern zu tun

Sie hat genau diesen Spruch da oben beherzigt: Katharina Dalka, gebürtige Paderbornerin, lebt seit Jahren in London und ist die Zielstrebigkeit in Person.

Abi in Paderborn, Bachelor im Studiengang Finanzen in Paris – und dann ging’s für den Master an eine Hochschule mit dem außergewöhnlichen Namen „Hochschule für Wirtschaftskriege“:

Diese Schule war tatsächlich der Militärschule sehr nah, das heißt alles, was Strategie betraf kam auch sehr aus dem Militärbereich.

Katharina Dalka lebte 14 Jahre in Paris, vor gut drei Jahren zog sie nach London.

Ich bin in einem Feld unterwegs, das man corporate finance nennt. Ich arbeite nur im Tech-Bereich, also nur mit Firmen, die mit Technologie zu tun haben. Auf der einen Seite berate ich Tech-Firmen. Und auf der anderen Seite berate ich auch Investoren, die in Tech-Firmen investieren wollen.

Die 36-Jährige hat mittlerweile ihre eigene Firma – über Mund zu Mund-Propaganda hat sich ihre gute Arbeit herumgesprochen – Kundenanfragen gibt’s daher von überall.

Im Moment ist es wirklich Europa, England unter anderem auch Afrika. Und ich plane auch, das weiter auszubauen - im Mittleren Osten.

Und bei den Deals, die die gebürtige Paderbornerin dann beispielsweise in der Elfenbeinküste eintütet, da geht’s nicht um zwei Euro fünfzig.

Meistens im Millionen-Bereich, Milliarden ist es jetzt nicht. Dafür ist meine Firma zu klein. Aber eigentlich, wenn man von solchen Investitionen spricht, geht es schon um ein paar Millionen.

Übrigens: Katharina Dalka verhandelt fast ausschließlich sogenannte Cross Border-Deals – also Verträge, in denen Partner aus mindestens zwei Staaten beteiligt sind. Und das alles mit 36 Jahren. Als Frau ist sie in diesem Feld aber eben ziemlich allein auf weiter Flur:

Ich arbeite zwischen Tech und Finanzen, das heißt ich bin eigentlich den ganzen Tag von Männern umgeben, die meistens auch älter sind als ich und dementsprechend auch viel Berufserfahrung haben. Also ich würde mich schon sehr freuen, wenn ich da anderen Frauen, auch jüngeren Frauen helfen kann und ein Vorbild sein kann.

Katharina Dalka hat eine hervorragende Ausbildung hinter sich – das reicht in der Männerbranche Finanzen anscheinend nicht.

Ich hab sehr hässliche Erfahrungen gemacht, muss ich sagen. Vor allem am Anfang meiner Karriere, wo ich auch noch viel jünger war, war extrem hart. Was auch sehr schade ist. Ich bin absolut keine Männer-Hasserin. Ich hab ganz tolle Männer um mich herum, mit denen ich zusammenarbeite, von denen ich viel lerne. Aber es war in der Tat schwierig und es ist teilweise auch immer noch schwierig. Aber jetzt bin ich ja schon ein bisschen dabei und mit der Erfahrung wird's auch einfacher.

Übrigens: Jeder Deal, den die gebürtige Paderbornerin aushandelt, ist wieder anders. Allein schon wegen der kulturellen Unterschiede zwischen Ländern wie England und der Elfenbeinküste.

Ich verhandel einen Deal mit einem Deutschen nicht so wie mit jemandem aus den Emiraten.  Das ist eine ganz andere Sache, das fängt anders an, das hört anders auf. Man geht mit den Leuten anders um, man redet mit den Leuten anders. Und ich denke, das ist auch Teil meiner Kompetenz.

Tolle Frau. Tolles Vorbild. Danke, Katharina Dalka!


Stellt euch vor, ihr seid Anfang 30 und ihr habt schon so ausgesorgt, dass ihr nicht mehr arbeiten müsst. Klingt wie ein unerreichbarer Traum? Bei dem 36-jährigen Lars Wrobbel aus Delbrück lief das genau so.

Mein erster Sparplan war irgendwie 25 Euro im Monat. Also ich hab Null finanzielle Bildung von meinen Eltern mitbekommen und hab auch wirklich komplett bei Null angefangen. Ich hab jetzt nicht irgendwie Vorteile gehabt oder so. Also das kann jeder schaffen. Aber man muss das Ziel halt wirklich ein paar Jahre verfolgen.

Und eisern sparen. Mit Mitte 20 ist er auf das Thema gestoßen und hat angefangen zu rechnen. Hat am Anfang 15 Prozent seiner Einnahmen gespart, mittlerweile liegt seine Sparquote bei 85 Prozent. Seine Fixkosten liegen trotz Kind und Unterhaltszahlungen im Monat bei schlanken 1.300 Euro. Er sagt: Wichtig ist: Kostenkontrolle!

Ein Haushaltsplan ist auf jeden Fall wichtig, ich führ das Ding monatlich. Wobei ich wöchentlich meine Kosten eintrage. Und was ich halt noch jährlich gemacht habe, das mach ich jetzt nicht mehr so unbedingt: Verträge überprüfen.

Das heißt: Jedes Jahr gucken, ob es nicht günstigere Strom- und Gasanbieter, gibt, ob es nicht eine billigere Autoversicherung gibt und die Versicherungen jährlich und nicht monatlich bezahlen.

Es gibt so viele Portale, die man nutzen kann. Und es gibt einfach keinen Grund, warum man für irgendeinen Vertrag 200 Euro mehr im Monat bezahlen sollte.

Außerdem: Bei Gehaltserhöhungen nicht den Lebensstandard erhöhen, sondern das Extra-Geld sparen. Oder zusätzlich einen 450-Euro-Job machen und die Knete anlegen. Und dann gibt’s natürlich auch alltägliche Fragen:

Natürlich muss man sich fragen, ob es jetzt unbedingt der 5-Euro-Kaffee von Starbucks sein muss, wo man sich für 15 Cent einen zu Hause machen kann.

Er selbst sagt: Man muss da diszipliniert rangehen, aber auch so, dass man trotzdem Freude am Leben hat. Ich hab ihn gefragt, ob er denn noch Essen geht zum Beispiel. Er so: Ja, aber er hat da gar kein Interesse mehr dran. Ok. Nagut. Zum Thema finanzielle Freiheit ist ihm jedenfalls aufgefallen:

Also die Leute denken immer, man braucht tatsächlich echt viel Geld. Aber ich kann aus Erfahrung sagen, dass man mit circa 250.000 Euro - ich glaube, dafür kaufen sich manche Leute Eigentumswohnungen - ganz gut als Single über die Runden kommt.

Natürlich kann man sich das durchrechnen und nach ein paar Jahren ändern sich Rechengrundlagen, man bekommt Kinder etc., dann müssen andere Sparziele gesteckt werden. Lars Wrobbel aus Delbrück ist Online-Unternehmer, aber: eigentlich muss er eben nicht mehr arbeiten. Früher war er unglücklich beschäftigt als ITler. Als er nach ein paar Jahren rechnerisch finanziell frei war, hat sich dann so auf der Arbeit bemerkbar gemacht:

Dass ich mir mehr Dinge herausgenommen hab. Das heißt, ich bin hier und da mal aufmüpfiger geworden oder hab gesagt: Mach den Scheiß alleine. Weil ich einfach die Sicherheit hatte: Wenn ich jetzt rausfliege, fliege ich halt raus. Dann ist es nicht so schlimm. Aber ich hab mir viele Sachen dann tatsächlich nicht mehr gefallen lassen.

Einfach weil er’s kann.

Lars Wrobbel

Aber wenn wir ehrlich sind: Es gibt leider viel zu viele Menschen, die unglücklich in ihrem Job sind und sich genau sowas wünschen. Und Lars sagt: Das ist eigentlich für jeden machbar. Wichtig ist, dass sparsam zu leben. Es glauben nur halt nicht viele dran, auch im eigenen Umfeld nicht:

Der Freundeskreis passt sich schon an. Also ich hab mir natürlich Freunde gesucht in diesem Umfeld. Aber die sind irgendwo in der Welt verteilt, man trifft sich vielleicht zwei, drei Mal im Jahr, vielleicht in Malaysia, da war es das letzte Mal oder in Thailand oder sonst wo. Aber die sind jetzt nicht in meiner Nachbarschaft. Also wenn ich jetzt in Delbrück jemanden finden könnte, dann würde ich mich mit Sicherheit auch mit dem darüber unterhalten, aber das ist halt relativ schwierig, so in der direkten Nachbarschaft.

Wenn jetzt alle ihre Jobs kündigen, wäre das eine Katastrophe für unser Wirtschaftssystem und es ist ja auch schön, sich mal etwas zu gönnen, aber: Lars Geschichte zeigt auch, dass es sich lohnt, zwischendurch mal die Pobacken zusammenzukneifen und dann mit der hohen Kante n bisschen entspannter durchs Leben zu gehen.

Das war schon nicht so einfach, aber dann war es wirklich... cool. Sich den Tag frei einteilen zu können.

Er sagt: Auch Geringverdiener können das hinkriegen. Schwierig wird’s bei drei Kindern und einem Eigenheim, das man abbezahlen muss. Deshalb: So früh wie geht anfangen mit dem Sparen. Während wir morgensd unsere müden Körper aus dem Bett operieren und uns für die Maloche das zerknitterte Gesicht unterm kalten Wasser waschen, dreht sich Lars Wrobbel nochmal ganz entspannt um:

Klar, es variiert. Mal fang ich um halb 10 an, mal um halb 11. Gestern hab ich beispielsweise sechs Stunden gearbeitet.

Lars ist finanziell frei und macht jetzt halt das, was ihm Spaß macht.

Tatsächlich war mein Ziel immer mit 40 finanziell frei zu sein. Jetzt hab ich es halt schon mit damals 33 geschafft. Ist aber ein hartes Brot für jemanden mit drei Kindern und Eigenheim, das stimmt.

Aber auch dann ist es möglich, letztlich geht’s halt darum, möglichst viel zu sparen und möglichst wenig auszugeben. Er gibt monatlich 1.300 Euro aus, inklusive Unterhaltszahlungen. Also ihr seht: Das geht schon, aber das geht halt auch genauso wie jeden Tag Sport machen. Am Ende ist der eiserne Wille leider oft hinter dem schwachen Schweinehund versteckt. Am Anfang hat Lars über das Thema noch im Bekanntenkreis gesprochen:

Bin aber extrem auf Unverständnis gestoßen. Ich mein, es gibt heute noch Leute von meinem Ex-Arbeitgeber, die denken, ich komme zurück. Es gibt immer Leute, die haben sich dafür interessiert und haben dann aber auch schnell gemerkt, das funktioniert nicht oder das ist mir viel zu anstrengend oder da muss ich Einschnitte in meinem Leben machen.

Die musste er auch machen, mittlerweile hat er so ausgesorgt und hat sein Geld über die Jahre eben so angelegt, dass er sorgenfrei finanziell frei ist. Er zeigt’s nur nicht.

Ich hab schon darüber gesprochen, aber ich hab mir nie Provokationen dadurch eingefangen. Also ich fahre einen Fiat, der ist 12 Jahre alt. Obwohl ich auch etwas anderes fahren könnte, einfach weil's mir egal ist. Und deswegen fall ich auch nicht so auf.

Sehr sympathisch. Wie schaffen wir es, dass wir im Alter nicht mit komplett leeren Händen dastehen? Das ist schon eine Frage, die vielen Kopfzerbrechen bereitet. Finanzielle Freiheit geht aber eben noch weiter.

Tatsächlich ist das mehr fokussiert auf junge Leute, die darauf gestoßen sind und denken: Boah, das ist geil. Und Leute, die auch noch Bock haben, etwas zu erreichen. Ich glaube ältere Menschen sind oft einfach satt oder die haben sich hingegeben in ihr Schicksal und denken: Ach, sind noch 20 Jahre bis zur Rente. Und die ziehen das dann einfach durch.

Lars Wrobbel aus Delbrück hat’s auch durchgezogen, aber eben das mit der finanziellen Freiheit. Wie er das gemacht hat? Siehe oben: Sparen. Sparen. Sparen. Und den Gürtel bis Anschlag eng ziehen.

Ich hatte ein Minimalziel, wo ich von ausgehen konnte, dass ich davon als Single überleben kann. Und dann hatte ich noch zwei größere Ziele, die ich erreichen wollte für den Fall, dass sich mal Lebensumstände ändern.

Zum Beispiel Kinder. Er führt ein Haushaltsbuch, hat einen genauen Überblick über seine Kosten, spart, wo er eben kann. Das ist nicht für jeden etwas. Aber er sagt: So kleine Dinge, die tuns auch schon. Wenn ihr zum Beispiel das Glück habt, eine Gehaltserhöhung zu bekommen.

Bei vielen Leuten ist das so, dass sie halt ihren Lebensstandard anpassen anstatt dass sie das Geld anders anlegen. Ein Schlüssel: Wenn man mehr Geld verdient, das dann auch ordentlich anlegen. Und seine Lebenshaltungskosten so hält und versucht dann noch etwas dazuzuverdienen nebenbei, das geht auch.

Er schließt da zum Beispiel einen 450-Euro-Job nebenbei nicht aus. Klar, ist das hart. Aber es ist eben eine Möglichkeit, um sich was anzusparen. Und dann kommt’s auf das richtige Anlegen an. Da sagt er übrigens: Keine Angst davor haben:

Man wird Geld verlieren, da kommt man gar nicht umhin. Aber man muss trotzdem irgendwo anfangen, weil was ist die Alternative? Willst du das Geld irgendwo auf dem Girokonto lassen, wo es ganz sicher weniger wird? Also das ist halt alternativlos eigentlich.